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Die Sprache der Fische (Teil 1/3)

In unserenTagträumen sind Ozeane Orte unendlicher Stille.  Lautlos schweben wir durch kühles Blau, an dessen Oberfläche ein heller Sonnenstrahl sich bricht. Ganz für uns sind wir dort, gehüllt in einen Kokon ewigen Schweigens. Diese Vorstellung vom Meer steht für eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe und Entspannung inmitten eines uns oft überfor- dernden Alltags. Gut möglich, dass ähnliche Vorstellungen Seefahrer bewogen haben, den größten und tiefsten Ozean der Erde als den „pazifischen“, den friedvollen zu bezeichnen.

sprache der fische inhaltsbereich 01

Doch der Schein trügt. Für seine Bewohner sind die Weltmeere keineswegs still, sondern voller Geräusche und Klänge. Nur kann unser Ohr diese oft nicht wahrnehmen, weil sie außerhalb unseres Hörbereichs liegen. Das gilt insbesondere für die Laute von Fischen. Denn diese Tiere sind – trotz des landläufigen Vorurteils – alles andere als stumm. Im Gegenteil: Die meisten Fische sind äußerst gesprächig und nutzen dazu eine Vielfalt unterschiedlicher Klänge.

Stumm wie ein Karpfen? Von wegen ...

Der Glaube an die Stummheit der Fische hinderte Forscher lange Zeit daran, sich für ihre Kommunikation zu interessieren. Zwar wusste man schon länger, dass manche Fischarten akustische Signale von sich geben, doch hielt man das eher für die Ausnahme als die Regel. Bekanntestes Beispiel dürfte der Knurrhahn sein. Der rotbraune Fisch lebt am Meeresgrund, den er mit seinen tentakelartigen Bauchflossen nach Essbarem durchwühlt. Wie der Name schon andeutet, gibt der Knurrhahn bei Gefahr klar vernehmbare Grunz- und Knurrgeräusche von sich.

Auch Besitzer von Prachtschmerlen berichten immer wieder von sonderbaren Knacklauten. Die beliebten Aquarienfische erzeugen diese bevorzugt beim Fressen. Da die Laute wie Kau- und Knuspergeräusche klingen, brachte man sie lange Zeit mit dem Fressvorgang selbst in Verbindung. Tatsächlich stammen die Geräusche aber gar nicht vom Kiefer: Die schwarz-weiß gescheckten Fische erzeugen sie mit ihrer Schwimmblase.

Inzwischen haben Forscher die Geräusche zahlreicher Fischarten dokumentiert. Man kann sie sich mittlerweile auf mehreren Internetseiten anhören. Was einem da aus den heimischen Lautsprechern entgegenschallt, ist in jeder Hinsicht überraschend wie fremdartig. Die Klangwelt der Fische erweist sich als erstaunlich vielfältig: Es wird geknackt, gegluckst, gequietscht, gegrunzt, gefiept, gebrummt, gezischt, gefaucht und sogar geschnattert, gezirpt und gebellt, was das Zeug hält.

Und das sind nur die geläufigsten Laute. Es gibt auch hier Exoten und Außenseiter. So produziert der Schwanzstreifensalmler während der Laichwanderung Geräusche, die vage an ein Motorradbrummen erinnern. Viele Aale dagegen verwenden einen lang gezogenen Infraschall zur Ortung und Orientierung im Wasser.