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Alter und Technik... (4/4)

Ein erneuter Ortswechsel – und zwar in ein japanisches Pflegeheim: Eine Gruppe von Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, spielt in einer Therapiesitzung mit einem kleinen robbenähnlichen Roboter namens Paro. Man lacht, einige klatschen. Entwickelt hat den Roboter Takanori Shibata und dafür rund 7,5 Millionen Euro investiert. Getestet wurde er ausser in Japan auch in Italien, Schweden und den USA.

Toshiyo Tamura, Professor am Nationalen Institut für Langlebigkeitsforschung, beschreibt das Positive am Trend zum „Partner-Roboter”, von dem man sich eine Entlastung für Familienangehörige und Pfleger verspricht und nicht zuletzt auch Einsparungen im Gesundheitswesen. Die Demenzkranken hätten Freude an den einfachen Bewegungen der tierähnlichen Objekte, Aufmerksamkeit, Sprechen und Bewegung nähmen zu, das eigentliche „Problemverhalten” verringere sich. Allerdings – und das dämpft die Technophilie ein wenig – gelte das gleichermassen, wenn bloss Stofftiere zum Einsatz kämen. Und die Professorin für Gerontologie, Kimika Usui, vergisst nicht zu erwähnen, dass es wichtig sei, dass auch Menschen sich um die Patienten kümmern.

...haben miteinander zu tun

eldertronic 01

Alter und Technik haben miteinander zu tun. Dabei muss man ihr Verhältnis keineswegs so strapazieren wie der Computerpionier Ray Kurzweil. Für Kurzweil nämlich ermöglichen elektronische Systeme schon in absehbarer Zeit den Sprung von einem verlängerten Leben hin zur Unsterblichkeit. Er meint damit den „Upload der menschlichen Persönlichkeit in nicht biologische Einheiten” – und den Schutz durch mehrere „Sicherungskopien”. In einem Porträt der Electronic-Lifestyle-Zeitschrift „Wired” spricht Kurzweil denn auch vom „Durchhalten” und der Erwartung, noch zu seinen Lebzeiten könne sich ergeben, was er „Singularität” nennt. Jetzt noch, so kurz vor dem technischen Durchbruch, an so etwas wie einem Herzinfarkt zu sterben, sei ja wie im Ersten Weltkrieg an der Westfront erschossen zu werden, unmittelbar bevor der Waffenstillstand unterschrieben wurde.

Wie sich die Babyboomer, die bislang vehementesten Vertreter des Jugendkults, mit dem Gedanken vertraut machen, sich von digitalen Helferlein unterstützen zu lassen und wie sich gar die sogenannten „digital natives”, jene Menschen also, die bereits mit dem Computer aufgewachsen sind, zu den aufkommenden Eldertronics verhalten, wird sich weisen. Aber ihre Akzeptanz hat wohl mit dreierlei zu tun: zunächst mit dem Appeal der Produkte, aber auch mit Verständnis und Respekt gegenüber der älteren Generation und ihren Bedürfnissen, und schliesslich und endlich mit der jeweils eigenen Haltung zum Alter, zu den Mitmenschen wie zum Leben. Denn etwas ahnt die Wissenschaft mittlerweile: Die beständige Angst vor etwas Neuem kann die Lebenserwartung verkürzen. Oder aber: „Wenn das Ohr sich nicht mehr an den Tönen freuen kann, wenn das Auge sich nicht mehr an der Schönheit freuen kann, der Mund die Leckerbissen nicht mehr geniesst”, schrieb der chinesische Dichter Lü Bu We fast dreihundert Jahre vor unserer Zeitrechnung, „so ist das ebenso schlimm wie der Tod.”

Max Ackermann