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Von Jack the Ripper und
Mickey-Mouse-Stimmen (2/5)
Ein Pionier der Forensik war der schottische Militär- und Kinderarzt Joseph Bell, einst Vorbild für die Figur des Sherlock Holmes. Denn als Jack the Ripper in London tötete, bat Scotland Yard ihn um Rat. Unterdessen aber scheint es anders als zu Zeiten des Holmes-Erfinders Arthur Conan Doyle zu sein: Nicht die Fiktion nimmt sich die Realität zum Vorbild, wirkliche Ermittler müssen sich die Erfolge der Fiktion vorhalten lassen. Dabei gibt es Ähnlichkeiten, aber eben auch Unterschiede zwischen beiden Sphären.
Schon im Pilotfilm der von Jerry Bruckheimer produzierten TV-Serie C.S.I. spielt Akustik eine wichtige Rolle. Ein vermeintlicher Selbstmord entpuppt sich als Verbrechen. Ein Diktiergerät hat zwar eine Abschiedsbotschaft aufgezeichnet, aber nicht der Tote hat sie gesprochen. Und in der Episode „Ein schmutziges Spiel” (The Finger) bringt die auffällige Mickey-Mouse-Stimme eines Erpressers letztlich die Lösung für den Fall.
Hermann Künzel ist Professor für Phonetik an der Universität Marburg und hat ein Ohr für das Verbrechen. Für das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) baute er die
Abteilung für Sprecher-Erkennung auf. Mit seiner Unterstützung wurden einige der wichtigsten Kriminalfälle der jüngeren deutschen Geschichte aufgeklärt. Da war die
Entführung des Jan Philipp Reemtsma, ein Polizistenmord in Holzminden, und auch dem Kaufhauserpresser Arno Funke alias Dagobert kam er auf die Spur. Einmal gefragt, ob er Krimis läse, meinte Künzel: Nein, denn wenn man die Wirklichkeit kenne, kämen sie einem so unwahrscheinlich vor.





