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Voiceprint – der „Fingerabdruck” der Stimme (3/5)

Wovon die Welt der Fiktion nichts weiss, ist das Warten, die Dauer bestimmter Arbeiten, die mit ihnen verbundenen Mühen oder technischen Mängel. Im Film ist immer genügend Audiomaterial vorhanden, in ausreichender, meist herrvorragender Qualität. Störgeräusche stören kaum, weil sie sich einfach – mit einem einzigen Mausklick – herausfiltern lassen. Und Unsicherheiten kommen gar nicht vor.

„Voiceprint” etwa ist ein Begriff, bei dem Phonetiker Künzel hellhörig wird, verheisst das Kunstwort doch eindeutige Identifikation, als sei die Stimme eines Menschen mit einem Fingerprint, einem Fingerabdruck vergleichbar. Voiceprints aber sind zunächst einmal nur Visualisierungen, etwa von Frequenz und Lautstärke, und damit schon schlechter als das Auflösungsvermögen des menschlichen Ohrs. Noch bis Ende der 90er-Jahre waren solche Spektrogramme in manchem US-Bundesstaat als Beweismittel vor Gericht anerkannt. Dabei hatte man schon in den Siebzigerjahren herausgefunden, dass sie häufig Fehlurteile zur Folge hatten. Voiceprints nämlich setzen Stimme und Hintergrundgeräusche gleich, aber auch Sprache und ihre Übertragung bzw. Aufzeichnung. Das Ergebnis: Schon der gleiche Übertragungsweg konnte Ähnlichkeiten suggerieren, aber nicht die Sprecher ähnelten sich, nur ihre Telefone. Und: Schon wer einen Stimmenimitator erlebt hat oder jemals heiser war, kann zweifeln, ob Stimmen wirklich so eindeutig zu erkennen sind.

Das Sprechen eines Menschen wird nicht allein durch seine Tonhöhe wiedererkennbar, sondern auch durch die Häufigkeit von Ähs, durch Akzent oder Dialekt – vorausgesetzt der Sprechende verstellt sich nicht und Störgeräusche fehlen. Einen Terroristen überführte Hermann Künzel einst anhand eines Sprachfehlers. Denn immer wenn einer der Bewacher eines Entführungsopfers ein „sch” aussprach, hörte man einen charakteristischen Pfeifton, wie er durch eine Lücke zwischen Schneidezähnen entsteht. Heute kann man viele Auffälligkeiten wie die genaue „Dauer eines Plosivlauts P” mit technischer Unterstützung messen und mit repräsentativen Daten abgleichen.