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Lieber Lautsprecher als Leisetreter (Teil 1/3)

Der Tuning-Spezialist Brabus verwandelt normalerweise hubraumstarke Mercedes-Benz und Maybach-Modelle in rollende Raketen. Das Topmodell auf Mercedes-CLS-Basis heißt nicht umsonst „Rocket“ und wird mit 6,3 Liter Hubraum, 750 PS und 366 km/h Höchstgeschwindigkeit als „schnellste Limousine der Welt“ angepriesen. Für den kleinen Geldbeutel bietet man mit dem „Ultimate 112“ ein auf 112 PS aufgemotztes Smart Cabrio an. Ein gewisses Maß an Verrücktheit darf also bei dem seit 33 Jahren bestehenden Unternehmen aus Bottrop/Deutschland vorausgesetzt werden.

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Aber was passiert, wenn die Brabus-Ingenieure erstmals ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug in die Mangel nehmen? So geschehen beim Tesla Roadster, dem ersten serientauglichen Elektro-Sportwagen aus den USA. Die Leistungssteigerung spielt hier ausnahmsweise zunächst keine Rolle. Brabus hat dem Tesla lediglich ein besseres Fahrverhalten und eine aufregendere Optik beschert und – das ist die eigentliche Neuerung – den „Space Sound Generator“, der die brachiale Beschleunigung von null auf hundert in rund vier Sekunden auch akustisch ange- messen untermalt. So wird aus dem Klang eines „Wäschetrockners unter Volllast“, den ein Kritiker bemängelte, wahlweise ein sonorer V8-Sound, ein heiseres Sechs-Zylinder-Röhren oder eben ein Space-Racer mit zwitschernden Fantasy-Sounds. Dabei passt sich, wie der Hersteller mitteilt, „die Intensität des Sounds der Leistungsabgabe des Elektromotors an“.

Inwiefern der Sound-Generator als Beitrag zur Verkehrssicherheit nach dem Motto „Fußgänger, höret die Signale“ oder als Lärmbelästigung zu gelten hat, das wird sich wohl erst in einigen Jahren zeigen, wenn deutlich mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind. Sowohl in den USA als auch in Europa warnen Experten vor den Gefahren der „quiet cars“: „Wir haben 30 Jahre lang daran gearbeitet, Autos leise zu machen“, sagte Robert Strassburger, Vizepräsident für Fahrzeugsicherheit bei der Alliance of Automobile Manufacturers, gegenüber der Washington Post, „aber niemals daran gedacht, dass sie irgendwann zu leise sein könnten.“ Eine Untersuchung der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) aus dem Jahr 2009 kommt aber zu dem Ergebnis, dass genau das der Fall sein könnte. Nach der Analyse von Unfällen mit rund 8.000 Hybrid-Elektrofahrzeugen und rund 600.000 Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren kommt die NHTSA-Studie zu dem Ergebnis, dass in bestimmten Situationen bei niedrigem Tempo die Unfallgefahr bei den lautlos im Elektrobetrieb fahrenden Fahrzeugen bis zu 50 Prozent höher ist.