Eine Hitmaschine mit Stil (2/4)
The way you do the things
Alles beginnt damit, dass Berry Gordy die Miracles unter Vertrag nimmt und sich damit einen der grössten Songschreiber der Ära Motown ins Haus holt: Smokey Robinson. Der wird bald darauf sogar Vizepräsident der Firma, schreibt aber vor allem unzählige Hits: „Shop around”, „The tracks of my tears”, „Going to a go-go”, „The tears of a clown” für die eigene Band; „My guy”, „My girl”, „Get ready”, „Ain’t that peculiar” für Mary Wells, die Temptations und Marvin Gaye.
Going to a go-go
Gordy weiss genau, was er mit Motown will und wie er es erreichen kann. Er will der ganzen Welt seine Songs verkaufen – ob Schwarz oder Weiss. Dazu gehört neben dem unverwechselbaren Sound auch eine harte und strenge Schule, die sowohl Songs als auch Künstler durchlaufen müssen. Bei den Songs gilt für die Songschreiber und Produzenten das sogenannte „KISS Prinzip” – „keep it simple, stupid”. Die unter dieser Faustregel entstehenden Lieder – darunter auch Kompositionen von Gordy – werden einmal wöchentlich bei einem „Control Meeting” einer Auswahl von Firmenmitarbeitern und natürlich Gordy, dem Boss selbst, vorgespielt. Hier wird entschieden, welche Songs veröffentlicht werden sollen und das Zeug zum Hit haben. Doch damit nicht genug.
Die Bands und Sänger werden von der eigens geschaffenen Abteilung „Artist Development” in verschiedenen Bereichen gedrillt. Das geht von guten Manieren über einheitliche Bühnengarderobe (für verschiedene Gigs jeweils verschiedene Outfits) bis hin zu ausgeklügelten, auf jeden Künstler zugeschnittenen Choreografien für die Liveauftritte. Der Show- und Unterhaltungsaspekt spielte eine grosse Rolle und heraus kamen Sänger und Musiker in tadellos sitzenden Anzügen, glitzernden Roben und glänzenden Schuhen, die im gleichen Rhythmus über das Parkett tänzelten. Gepaart mit dem Soul der den Sängern augenscheinlich bereits mit in die Wiege gelegt wurde, ergab das ein unschlagbares Paket: Motown hatte Stil.
It’s a family affair!

Der Firmensitz im West Grand Boulevard beherbergt ein Aufnahmestudio und Büros. Gordy tauft es auf den Namen Hitsville U.S.A. und zieht sogar selbst ein. Fast die ganze Familie hilft in der Firma mit: sein Vater und einige seiner Schwestern und Brüder. Motown wächst und gedeiht. Der Künstlerstamm wird immer grösser, rekrutiert sich aber erstaunlicherweise fast ausschliesslich aus der lokalen Szene Detroits:
The Supremes, Martha & The Vandellas, David und Jimmy Ruffin, die Four Tops und unzählige mehr kommen hinzu. Zwischen 1961 und 1971 schaffen es allein in den USA 110 Hits in die Top Ten der R&B- und Pop (!)- Charts. Motown expandiert. Zu den Labels der Anfangstage gesellen sich über 20 weitere Plattformen für unterschiedliche Musik:
Jazz oder Rock, Gospel oder Country – alles findet unter dem Dach von Hitsville U.S.A. in Detroit Unterschlupf. Sogar die Reden von Dr. Martin Luther King werden von Gordy veröffentlicht.
