Ein Soullabel erobert die Welt (4/4)
Got to give it up
Mitte der 80er-Jahre verliert Berry Gordy Geld und verkauft 1988 mit Ende 50 schliesslich sein Imperium für 61 Millionen Dollar an einen grossen Musikkonzern. Ein Jahr später veräussert er auch noch Motown Productions, die Film- und TV-Plattform. Ist Motown am Ende? Nein, das Plattenlabel wird von den neuen Besitzern weitergeführt und ist heute Teil der Universal Music Group, einer der grössten Firmen im Musik- und Unterhaltungsgeschäft. Viele neue Künstler sind dazugekommen:
Erykah Badu, der Rapper Q-Tip, India.Arie, Damian und Stephen Marley – die Söhne Bob Marleys – aber auch Popsternchen Lindsay Lohan. Und endlich, zum diesjährigen Jubiläum, wird die ruhmreiche Vergangenheit von Motown gebührend aufgearbeitet.
Der gesamte Katalog wird wieder neu zusammengestellt und verpackt, neu bearbeitet und wiederveröffentlicht. Und Gordy? Der geniesst seinen Ruhestand in seinem neuen Alterssitz in Palm Desert, Kalifornien…
A change is gonna come
Ähnlich wie das andere grosse Soullabel der 60er-Jahre, das in Memphis beheimatete, erdigere Pendant Stax, kann man Motown durchaus als gelungenes Beispiel für die Integration von Schwarzen und Weissen sehen. Und natürlich hörte man den Songs diese Mischung auch an. Das war gewollt und vor allen Dingen erfolgreich.
Die Musik Motowns gefiel der ganzen Welt. Berry Gordy Junior, einem der ersten afroamerikanischen Besitzer einer eigenen Plattenfirma, gelang es mit seinem fast ausschliesslich aus Afroamerikanern bestehenden Künstlerstamm seine Musik an Menschen gleich welcher Hautfarbe zu verkaufen. Berry Gordy war nicht einfach nur ein Plattenmogul. Er bewegte letztlich mit der unpolitischen Popmusik seines Labels auch die Gesellschaft.
Gordy der Musikpolitiker? Er würde sich selbst sicherlich nicht so bezeichnen.
Motown wurde durch ihn zu einem Label, das mit universalem Sound jenseits aller Rassenvorurteile Menschen durch Musik miteinander verbindet.
Oder wie der treue Weggefährte Gordys und heutige Hear The World Botschafter Smokey Robinson es einst singend auf den Punkt brachte:
„Well there’s a brand new place I’ve found, where people go from miles around. They come from everywhere and if you drop in there you might see anyone in town.”
(Übersetzung: „Ich habe einen neuen Platz gefunden, an den die Leute von weit her gehen. Sie kommen von überall und wenn Du dort vorbeischaust, kann es Dir passieren, dass Du jeden in der Stadt siehst.”)
Ich hoffe, wir sehen uns bald in dieser Stadt.
Matthias Westerweller
