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Wie kommt es zum Hörverlust?

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Virale und bakterielle Entzündungen können Hörverlust verursachen (Teil 3/3)

Vorsicht ist aber nicht nur nach der Geburt geboten. Virale oder bakterielle Entzündungen bergen in der Jugend generell das Risiko eines Hörverlusts. Es ist also wichtig, auch in späteren Lebensjahren das Hören des Kindes zu beobachten. Katie Morford weiß davon zu berichten, wie überraschend und unerwartet eine „erworbene Hörstörung“ kommen kann. Auch für die Mutter aus San Francisco war das zunehmend lautere Verhalten ihrer Tochter Grund zur Besorgnis. Rosie begann, immer lauter zu sprechen, wurde von ihren Freundinnen des Öfteren gebeten, beim Spielen leiser zu sein. Gleichzeitig verstand sie ihre Eltern immer schlechter und bat sie nicht selten, das Gesagte zu wiederholen. Ein typisches Problem sei auch der Aufenthalt unter vielen Menschen. Situationen, in denen sich große Geräuschkulissen aufbauen und die Klänge der einzelnen Stimmen sich darin verlieren, können schon für Erwachsene irritierend und anstrengend sein. Hier besteht eine besondere Gefahr, dass sich ein Kind ausgegrenzt fühlt, weil es im großen Summen und Brummen nichts mehr versteht. „Ich glaube, in sozialer Hinsicht hat sie dann manchmal den Anschluss verloren. Besonders wenn wir an öffentlichen Orten waren, war es schwierig für sie“, erzählt Frau Morford.

Eine Reihe von Ohrenentzündungen ließen Eltern und Ärzte vermuten, dass der Hörverlust dadurch bedingt und nur temporärer Natur sei. „Nach den vielen, fast schon chronischen Erkrankungen war es schwer zu erkennen, dass ihre Hörprobleme dauerhaft waren. Wir dachten lange Zeit, dass es die Flüssigkeit in ihrem Ohr sei, und haben nicht mit einem dauerhaften Hörverlust gerechnet“, erklärt Katie Morford rückblickend. Sie habe nie daran gedacht, dass ihre Tochter einmal eine Hörhilfe brauchen würde. Mit siebeneinhalb wurde bei Rosie von ihrem Hals-Nasen-Ohren-Arzt dann ein mittelgradiger Hör verlust diagnostiziert, der mit großer Wahrschein lich keit aus einer Mittelohr entzündung resultierte oder durch diese forciert worden ist. Die Ärzte empfahlen den Morfords Hörgeräte, seitdem ge hören die farbenfrohen Hörgeräte zu Rosies Alltag.

Trotz mancher Probleme, die ihre Beeinträchtigung mit sich bringt, hat Rosie einen sehr kalifornischen Umgang mit ihrem Hörverlust gefunden und aus ihrem Handicap eine Besonderheit gemacht: Als sie ihre Hörhilfe bekam, trat sie vor die Klasse und erklärte den neugierigen Mitschülern, was es mit diesem Gerät auf sich hat und wie es funktioniert. „Einmal ist sie sogar in eine Kindergartengruppe eingeladen worden, in der die Erzieherin ein Buch über ein Kind mit Hörverlust vorgelesen hatte. Ich merkte, dass sie gut damit umging. Eigentlich hat sie es sich zu eigen gemacht und sich damit verbündet,“ schildert Katie Morford die positive Haltung ihrer Tochter. Durch diesen unbeschwerten Umgang mit dem Hörgerät hat sie vielen Erwachsenen und deren Ein stellung zum Hörverlust einiges voraus. Rosie könnte als Vorbild für den Abbau von (selbst-)stigmatisierenden Denkweisen dienen.

Martin Ernst