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Die Gegenstimme der Phonetikerin (2/2)

Der von der amerikanischen Ethnologin aufgestellten Hypothese, die Stimmwirkung bei den Hadza lasse sich verallgemeinern und man könne daraus eine gesamtmenschliche Prägung ableiten, widerspricht die Frankfurter Phonetikerin Vivien Zuta. Die Stimme und Stimmhöhe, so Zuta, sei von zu vielen Variablen abhängig, die mit dem emotionalen Zustand und den Stimmungen des Gesprächspartners zusammenhängen, als dass sie über Persönlichkeit und Charaktereigenschaften Auskunft geben könnten. Für viel bedeutender als die Tonhöhe hält sie die individuelle Sprachmelodie. Kurz: Das akustische Erscheinungsbild eines Menschen beruht auf dem komplexen Zusammenwirken mehrerer Faktoren und führt ein Eigenleben. „Die Stimme”, sagte Zuta in einem Interview, „ist wie auch die Sprechweise sehr punktuell und vergänglich. Sie erlaubt daher keine Pauschalurteile. Selbst der oft vermutete Zusammenhang zwischen Körpergrösse, Testosteron und Stimmhöhe hat sich in Untersuchungen als falsch herausgestellt.” Vor allem warnte die Phonetikerin davor, kulturüber greifende Pauschalurteile zu fällen. „Stimmverwendung und Intonation ist kultur- und sprachabhängig. In südeuropäischen Ländern ist die Grundfrequenz generell höher als im Norden.” Der Ton macht eben auch hier die Musik, wird jedoch regional und kulturbedingt anders aufgenommen und empfunden. Womit wir wieder bei den Hadza wären. Dieses kleine Nomadenvolk von nicht mehr als 1.000 Seelen als Muster für eine allgemein menschliche Stimmrezeption zu nehmen, ist schon deshalb äusserst gewagt, weil es sich wie die Buschmänner in einer sogenannten Klick-Sprache verständigt, einem Idiom, das sich in der Lautbildung und Intonation
von allen übrigen Sprachen, vor allem den tonalen, unterscheidet. Das heisst, auch die auf die Stimmen und Stimmhöhen bezogenen Hörgewohnheiten der Hazda dürften wenig mit unseren zu tun haben.

Anno Bachem