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Töne im Weltraum (Teil 1 von 3)
In Stanley Kubricks legendärem Film „2001: Odyssee im Weltraum“ ist es erschreckend still im Universum. Nur ein Walzer, den Raumschiffe tanzen, oder Richard Strauß’ „Also sprach Zarathustra“ vermitteln einem den Klang des Alls. Denn der Sound eines Raumschiffantriebs oder gar laute Explosionen wären nicht einmal Science Fiction, sondern allenfalls Fantasie. Weil Schall ein Medium zur Ausbreitung braucht und ein Teilchen pro Kubikzentimeter im Vakuum einfach zu wenig ist, um ihn zu übertragen.
Und doch gibt es Schall im All, dort nämlich, wo er ein Medium hat. Wenn wir von der Erde aus das Licht ferner Gaswolken messen, können wir in ihnen Schwankungen
von Druck und Dichte erahnen, also Schall. Seine Töne aber wären so tief, dass niemand sie hören könnte, lägen sie doch mehrere hundert Oktaven unter dem tiefsten Ton, den wir vernehmen können. Seine Wirkung aber ist enorm. Denn er ist es, der Sterne entstehen lässt. Kurz nach dem Urknall, als sich Materie und Energie trennten, geschah das mit einem gewaltigen Schall. Und vor rund 4,5 Milliarden Jahren entwickelte sich, durch den Schall einer Sternenexplosion, der Gas verdichtete und schwere Elemente mitbrachte, unser Sonnensystem.
In Swjosdny Gorodok, der „Sternenstadt“ vor Moskau, lernte Juri Gagarin aus dem Dorf Kluschino einst die Stille kennen. Als Kosmonaut in spe musste er zehn Tage in einer schalldichten Kammer ausharren, um sich an das Alleinsein und das Schweigen zu gewöhnen, das er als erster Mensch im All ertragen sollte. „Da herrschte eine Stille, deren Tiefe du nie zuvor erlebt hast“, erinnert sich der Astronaut Russell Schweickart an sein Erlebnis außerhalb einer Kapsel. Einsam ist es auch hier, vor der Internationalen Raumstation, selbst wenn einer neben einem schwebt. Aber die kosmische Stille ist eher ein Gedanke. Man hört sie nicht wirklich. Sogar als einmal – wegen eines Sturms am Boden – die Funkverbindung zum Kontroll zentrum abbricht, ist es im Raumanzug nicht still, weil Sauerstoffversorgung und Klimaanlage weiter rauschen.
Einer ebenso falschen Erwartung entspricht es, das, was hier getan wird, einen „Weltraumspaziergang“ zu nennen. Nicht nur, weil man hier so gar nichts von der Ruhe des Flanierens hat, ja kaum einmal Zeit ist, diesen erstaunlichen Planeten Erde zu betrachten. „Außenbordaktivität“ heißen im Jargon der NASA Aufbau- und Reparaturarbeiten, ob man nun einen Tank montiert oder unter der steten Gefahr eines Stromschlags ein Sonnensegel instand setzt. Irgendwo dort unten steht die Astronaut Memorial Wall und erinnert einen daran, dass eigentlich Starts und
Landungen das größte Risiko für Raumreisende bergen – und doch sind auch sechs Stunden Arbeit, 360 Kilometer hoch und rasende 25.000 Stundenkilometer schnell, voll tödlicher Gefahren, Strahlung, mehrere 100 Grad Celsius Hitze im Sonnenlicht und bis zu 269 Grad Kälte im Schatten. Gleichwohl, es stimmt, was einmal ein Vor -
gänger gesagt hat: „Am schwierigsten war es, hinterher wieder reinzugehen.“
In den Modulen aus Aluminium warten die allgegenwärtigen und andauernden Geräusche der Technik, 75 dBA laut in den Arbeits- und immerhin noch 55 dBA in den Schlafbereichen. Wenigstens schnarchen Astronauten kaum – wahrscheinlich bleibt dank der Schwerelosigkeit ihre Zunge am Platz und die Schleimhäute werden besser durch blutet. Aber Musik gibt es in der ISS – und nicht nur Elton Johns „Rocket Man“ oder David Bowies „Space Oddity“.






