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Wenn Schmerzmittel mehr schaden als helfen: Morbus Samter (Teil 1/3)

Ein seltenes, aber deshalb nicht weniger bedrohliches Krankheitsbild in der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde ist Morbus Samter, auch ASS-Intoleranz-Syndrom genannt. Bereits drei Jahre nach der Einführung von Aspirin im Jahr 1899 berichteten Ärzte von „allergieähnlichen“ Neben wirkungen des neuen Medikaments. Während es sich bei Allergien, die meistens durch Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Nahrungsmittel wie Mehl, Milch, Nüsse etc. ausgelöst werden, um überschießende Fehlleistungen der körpereigenen Abwehr handelt, geht die ASS-Intoleranz auf eine Störung der Verstoffwechslung zurück.

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Diese Störung äußert sich als ein Symptom-Komplex und umfasst die folgenden Symptome:

  • Schmerzmittelunverträglichkeiten (Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac, Indometazin etc.)
  • Polypen in der Nase
  • Verlust des Riechvermögens
  • chronische Rhinitis
  • Asthma
  • urtikarielle Hautreaktionen


Neuerdings favorisieren Experten eher den Terminus Aspirin-Exacerbated Respiratory Disease (AERD). Dabei liegt die Betonung auf der verschlimmernden Wirkung von Aspirin und anderen Schmerzmitteln, da in den meisten Fällen auch unabhängig von der Einnahme dieser Medikamente eine schwere chronische Atemwegser krankung vorliegt.

Welche Patienten betroffen sind

ASS-Intoleranz tritt überwiegend ab dem 30. Lebensjahr in Erscheinung, und zwar meistens bei Frauen. Die Unverträglichkeitsreaktion nach Einnahme des Analgetikums setzt in der Mehrzahl der Fälle innerhalb einer Stunde ein. Sie macht sich als Asthmaanfall bemerkbar, der oft mit Fließschnupfen, Bindehautentzündung und einer starken Errötung im Hals- und Gesichtsbereich einhergeht. In sehr schweren Fällen kann die Attacke bis zum anaphylaktischen Schock und damit sogar zum Tod führen.

Über die Häufigkeit der Erkrankungen der oberen Atemwege durch ASS-Intoleranz ist noch wenig bekannt, da bisher nur eine geringe Anzahl von Studien mit sehr begrenzten Patientengruppen durchgeführt wurde. Man schätzt, dass von der Erkrankung etwa acht bis 20 Prozent aller Asthmatiker betroffen und damit der Gefahr ausgesetzt sind, schwerwiegende lebensbedrohliche Anfälle zu erleiden. Bei Patienten mit Nasenpolypen tritt diese Intoleranz zu etwa sechs bis 15 Prozent auf. Nach anderen Publikationen muss jeder zehnte Patient, der aufgrund seiner Polypen an einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen (Polyposis nasi) erkrankt ist, mit einer ASS-Unverträglichkeit rechnen.

Da Nasenpolypen Auslöser von Migräne sein können und Entzündungen der Nasennebenhöhlen pulsierende Schmerzen und/oder Kopfschmerzen hervorrufen, engt die Analgetika-Intoleranz den Behandlungsspielraum der Schmerzbekämpfung stark ein. Denn es besteht die Gefahr, dass der Körper auf den Einsatz von Aspirin oder anderen Analgetika mit verstärkten Entzündungsprozessen reagiert, die wiederum die Polypenbildung anregen und Asthmaanfälle auslösen können. ASS-Intoleranz ist also durch ihr multifaktorales Geschehen prädestiniert, einen Circulus vitiosus in Gang zu setzen.