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So laut knallt es an Silvester: der große Vergleichstest
20.12.2010, Stäfa, Schweiz
Silvester steht vor der Tür und die Deutschen werden es zum Jahreswechsel wieder richtig krachen lassen. Vom Jugendfeuerwerk über das Familiensortiment bis hin zum Mega-Böller – das Angebot lässt so gut wie keine Wünsche offen. Neben Leuchteffekten ist dabei eines besonders wichtig: Es muss ordentlich knallen. Grund genug für Hear the World, eine Auswahl an Feuerwerkskörpern hinsichtlich ihrer Lautstärke unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis: Die lautesten Knaller im Test schaffen Spitzenwerte von über 140 dB. Besonders überrascht haben dabei Böller aus Jugend-Sortimenten, die ganzjährig ohne Altersbeschränkung erhältlich sind. Diese erreichen mit über 125 dB Lautstärken, die zu bleibenden Schäden führen können.
Die Messungen fanden unter behördlicher Aufsicht auf einem freien Feld in Fellbach bei Stuttgart statt. Getestet wurde eine Auswahl an Feuerwerksartikel deutscher Qualitätshersteller der Klasse 2 (Abgabe an Personen über 18 an den letzten drei Werktagen des Jahres) und der Klasse 1 (ohne Altersbeschränkung, ganzjährig verfügbar). Jeder Artikel wurde zwei Mal gezündet und dabei der Maximalwert (ohne Bewertungsfilter*) gemessen. Der Abstand zum Schallpegelmessgerät betrug einen Meter.
Hasta La Vista vs. Satansknall – die Testergebnisse
Bei Feuerwerk der Klasse 2 ist die „Hasta La Vista-Knallkette“ (200 Schuss) mit 145,1 dB am lautesten, gefolgt vom „Super-Kanonenschlag“ (groß) mit 141,5 dB und dem China-Böller D mit 141,4 dB. Der gute alte „Knallfrosch“ bringt es auf immerhin 130 dB, bei einer herkömmlichen Rakete wurde mit 108,8 dB ein vergleichsweise moderater Wert gemessen. Besonders überraschend sind die Messergebnisse von Feuerwerksartikeln der Klasse 1: So schaffen die Knallerbsen mit der Bezeichnung „Satansknall“ stattliche 126,9 dB – ein enormer Wert für einen Artikel, der ganzjährig ohne Altersbeschränkung erhältlich ist. Aber auch die Böller „Powerballs“ (121,7 dB) und „Flashlight“ (120,7 dB) erreichen Lautstärken, die eine ernsthafte Gefahr für das Gehör darstellen. Die durchschnittliche Schmerzgrenze für das menschliche Gehör liegt bei 120 dB.
Impulslärm – tückisch für das Gehör
Silvesterknaller können zu einer dauerhaften Schädigung des Gehörs, Tinnitus oder einem Knalltrauma führen. Grund hierfür ist der durch Knaller verursachte Impulslärm, auf den sich das Gehör – im Gegensatz zu einem dauerhaften Lärmpegel – nicht schnell genug einstellen kann. „Unsere subjektive Empfindung von Lautstärke wird durch eine Kombination aus dem Schalldruckpegel und der Dauer der Lärmeinwirkung bestimmt. Bei einer sehr kurzen Impulsdauer, wie sie bei Silvesterknallern auftritt, nimmt die Lautstärkenempfindung des Gehörs stark ab. Dies bedeutet, dass wir Lärm, der das Gehör schädigt, nicht mehr als gefährlich wahrnehmen. Darüber hinaus bewegen sich Knaller meist im oberen Frequenzbereich, der bei großer Lautstärke besonders gefährlich ist“, erläutert Daniela-Simone Feit, Leiterin des Fachbereichs Audiologie beim Hörgeräte-Hersteller Phonak. „Die Folgen sind teilweise gravierend: Sie reichen von Tinnitus über ein Knalltrauma bis hin zum Explosionstrauma, bei dem das Trommelfell reißt. Was viele dabei nicht wissen: Unabhängig vom Alter sind Gehörschäden meist irreparabel.“





