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Baustelle am Escher-Wyss-Platz: So laut wie Fluglärm am Flughafen
10.08.2010, Stäfa, Schweiz
Wie Messungen von Hear the World zeigen, sind die aktuellen Grossbaustellen in der Stadt Zürich so laut wie der Lärm am Flughafen Zürich. Die Baustelle am Escher-Wyss-Platz erreicht mit 95,2 Dezibel (dB(A)) einen Lärmpegel, der mit dem Lärm auf der Zuschauerterrasse am Flughafen Zürich vergleichbar ist (96,1 dB(A)). Eine unlängst durchgeführte Befragung von Hear the World hat weiter ergeben, dass Baulärm die in der Bevölkerung am meisten gehasste Lärmquelle ist.
Hear the World, die weltweite Aufklärungsinitiative des führenden Hörgeräteherstellers Phonak, informiert mit seiner Online Global Sound Map über laute und leise Orte verschiedener Städte weltweit. Nach New York, London, Chicago, Berlin, Hamburg, Frankfurt und München liegen solche Messungen nun auch für Zürich vor. Dabei zeigt sich, dass der lauteste Ort Zürichs die aktuelle Baustelle am Escher-Wyss-Platz (95,2 dB(A)) ist. Dort ist es ähnlich laut wie auf der Zuschauerterrasse des Flughafens Zürich (96,1 dB(A)). Erheblich laut ist es auch am Central (92,0 dB(A)) und am Bellevue (88,2 dB(A)), während eines Glockenschlags der Kirche St. Peter (87,2 dB(A)) oder bei der Einfahrt eines Zuges am Bahnhof Stadelhofen (88,4 dB(A)). Im Vergleich geradezu human laut: Der Treffpunkt am Hauptbahnhof. Und auch am Paradeplatz geht es lärmtechnisch passabel zu und her. Wer eine Oase der Stille in der Stadt sucht, geht am besten ans Zürichhorn (55.4 dB(A), auf den Lindenhof (56,8 dB(A)) oder in den Park beim Landesmuseum (62,9 dB(A)).
Die lautesten Orte in Zürich:
1. Flughafen, Spotter-Kiosk auf der Zuschauerterrasse: 17:15 Uhr, 96,1 dB(A)
2. Baustelle Escher-Wyss-Platz: 07:30 Uhr, 95,2 dB(A)
3. Central: 10:20 Uhr, 92,0 dB(A)
4. Zugseinfahrt Bahnhof Stadelhofen: 11:30 Uhr, 88,4 dB(A)
5. Bellevue: 11:10 Uhr, 88,2 dB(A)
6. Glockenschlag St. Peter: 11:00 Uhr, 87,2 dB(A)
7. Baustelle Prime Tower: 08:10 Uhr, 86,8 dB(A)
8. Rosengartenstrasse: 08:30 Uhr, 80,2 dB(A)
9. Treffpunkt Hauptbahnhof: 18:00 Uhr, 75,7 dB(A)
10. Paradeplatz: 12:15 Uhr, 72,3 dB(A)
Oasen der Ruhe in Zürich:
1. Zürichhorn: 09:30 Uhr, 55.4 dB(A)
2. Lindenhof: 17:50 Uhr, 56,8 dB(A)
3. Park des Landesmuseums: 20:00 Uhr, 62,9 dB(A)
Auf unserer Soundmap können die einzelnen Messpunkte angehört werden. Auch erfährt man, ob die jeweilige Lautstärke fürs Gehör eine Gefahr birgt oder nicht.
Baustellenlärm ist nervigste Lärmquelle
Von Hear the World dazu befragt, welche Lärmquelle besonders störend sei, gaben 676 Schweizer Befragte an2, dass der Baulärm sie am meisten nerve, gefolgt von störendem Lärm durch Menschen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln laut Musik hören. Auf dem dritten Platz der irritierendsten Lärmquellen landet der Verkehrslärm, gefolgt von Telefonierenden in Bus oder Zug. Immer als noch störend empfunden, aber weit weniger als die anderen Lärmquellen: Spielende Kinder und zu laute Nachbarn.
Lärmbelastung führt zu Stress und Aggressionen
Eine internationale Studie3 von Hear the World zeigte weiter, dass Lärm in erster Linie Stress auslöst (85%). Zudem macht er aggressiv (79%), führt zu Schlafproblemen (73%) oder gar zu mentalen Problemen (62%) und Unkonzentriertheit (43%). „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen vor allem eines: In unserer heutigen lärmintensiven Umgebung sollte jeder aktiv etwas für den Schutz seines Gehörs tun und es regelmässig testen lassen“, so Valentin Chapero, CEO von Phonak. „Der erste Schritt ist ein jährlicher Hörcheck beim Hörgeräteakustiker.“ Und Prof. Dr. Norbert Dillier, Leiter der ORL-Forschungsabteilung am Universitätsspital Zürich, fügt zu: „Menschen mit erhöhtem Risiko für einen Hörverlust, beispielsweise durch ein lautes Arbeitsumfeld, sollten rechtzeitig einen Hals-/Nasen-/Ohren-Arzt aufsuchen.“
Wann ist laut zu laut?
Bei 90 dB(A) Umgebungslärm muss die Stimme erhoben werden, damit eine Verständigung aus einem Meter Distanz noch möglich ist, ab 100 dB(A) ist bereits ein grosser Stimmaufwand notwendig, bei 105 dB(A) ist eine Verständigung kaum mehr möglich. Ausschlag gebend für eine Schädigung des Gehörs ist aber weniger die Lautstärke an sich als vielmehr die Dauer, während der das Gehör der erhöhten Beschallung ausgesetzt ist. „Wer sich länger als 15 Minuten einem Lärmpegel von 100 dB(A) aussetzt, riskiert bereits eine Beeinträchtigung des Gehörs“, so Valentin Chapero, CEO von Phonak.
Hörverlust: Weltweit über 800 Millionen Betroffene
Weltweit sind bereits mehr als 800 Millionen Menschen von einer Hörminderung betroffen. Lärm gilt als eine der häufigsten Ursachen für Hörverlust – eine Tatsache, die häufig unterschätzt wird. „Da sich die negativen Konsequenzen von Lärm auf das Gehör nur langsam bemerkbar machen, verkennen viele Menschen den Lärm als Gefahrenquelle für die Ohren“, so Prof. Dr. Norbert Dillier vom Universitätsspital Zürich.
Wie viel Dezibel in gewohnten Alltagsgeräuschen stecken und welche davon zu laut sind, kann man hier erfahren.





