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Hörgeräte werden falsch wahrgenommen – trotz signifikanter Entwicklungen bei Technologie und Design

2010-02-08, Stäfa, Schweiz

 

Laut einer Studie von Hear the World, der weltweiten Initiative des führenden Hörsystem-Herstellers Phonak, werden Hörgeräte stärker mit hohem Alter assoziiert als andere medizinische Hilfsmittel wie Brille, Rollstuhl, Krücken und Blindenstock. Diese Wahrnehmung steht in einem starken Missverhältnis zu den enormen Fortschritten, die hinsichtlich der Technologie und dem Design moderner Hörgeräte erzielt wurden. Die Folge ist, dass viele der weltweit mehr als 800 Millionen Menschen, die mit einem Hörverlust leben, aus Image-Gründen auf ein Hörgerät verzichten – mit weit reichenden sozialen und emotionalen Konsequenzen.

Im Rahmen der Studie wurden in Deutschland, England, Frankreich, Italien, der Schweiz und den USA insgesamt 4.405 Personen im Alter von 14 bis 65 Jahren befragt. Eine Erkenntnis der Erhebung ist, dass das Verbergen eines Hörverlusts in der Öffentlichkeit zu den drei am häufigsten genannten Gründen zählt, auf ein Hörgerät zu verzichten. Zwar gaben insgesamt 93 Prozent der Befragten (D: 94%, CH: 96%, UK: 87%, F: 98%, I: 96%, USA: 88%) an, sie würden ein Hörgerät nutzen, wenn die Notwendigkeit dafür bestünde. Frühere Studien kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass viele Menschen mit Hörverlust ein solches Hilfsmittel nicht einsetzen: Alleine in Großbritannien und den USA trägt nur jeder vierte Betroffene ein Hörgerät.

„Die aktuelle Studie von Hear the World bestätigt, dass Hörverlust und moderne Hörlösungen noch immer falsch wahrgenommen werden.“, erläutert Prof. Dr. Patrick Zorowka, amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft fürAudiologie. „Die enorme Entwicklung moderner Hörgerätetechnologien bietet heute viele Möglichkeiten, die für die Lebensqualität der Betroffenen von großer Bedeutung sind und helfen, noch immer bestehende Vorurteile abzubauen. Dies gilt speziell für die zunehmende Zahl an jüngeren Menschen, die unter einem Hörverlust leiden.“

Die Geschichte der Hörgeräte
Die ersten Hilfsmittel für Menschen mit Hörverlust, so genannte „Ohrtrompeten“, tauchten im 17. Jahrhundert auf. Auf Grund der Assoziation mit einem Stigma wurden sie häufig in Fächern oder Gehstöcken versteckt. Einige wurden sogar mit Diamanten verziert und so als Schmuckstücke getarnt.

In den 1920er Jahren wurden Hörhilfen entwickelt, die klein genug waren, um in einer Handtasche transportiert zu werden; ab 1940 folgten die ersten Geräte im Taschenformat. In den frühen 1960er Jahren entstanden schließlich die Hinter-dem-Ohr-Geräte, die sich dank der Innovationen in der Mikroelektronik schnell weiterentwickelt haben.

Heute arbeiten Hörgeräte mit digitaler Technologie und sind mit leistungsfähigen Computerchips ausgestattet. Sie bieten eine bessere Klangqualität sowie eine drahtlose Anbindung an Kommunikations- und Unterhaltungsgeräte. Mit ihrem modernen Design und dem kleinen Gehäuse lassen sich moderne Hörgeräte besonders unauffällig tragen.

Missverständnisse rund um Hörverlust und Hörgeräte überwinden
Hörverlust wird auch heute noch als Stigma wahrgenommen und deshalb oft verheimlicht. Dies kann zu ernsthaften sozialen und emotionalen Konsequenzen für Betroffene und ihre Angehörigen führen. So belegen mehrere Studien, dass ein nicht versorgter Hörverlust geringere Erwerbsfähigkeit, familiäre Spannungen sowie psychische Probleme nach sich ziehen kann.

In der vorliegenden Studie von Hear the World werden im Zusammenhang mit einem unbehandelten Hörverlust am häufigsten Gefühle wie Frustration (46,8%),  Isolation (45,3%) und Angst (36,8%) genannt.

„Meine praktische Erfahrung zeigt mir, dass Angst und Frustration bei Menschen mit Hörverlust oft aus mangelnden Informationen über Prävention und Lösungen resultieren“, so Prof. Zorowka. „Dabei kann ein Hörverlust heute zumeist gut versorgt und somit den Betroffenen sowie ihrem Umfeld geholfen werden.“

Um diesem Informationsdefizit entgegen zu wirken, hat Phonak im Jahr 2006 die Initiative Hear the World gegründet. Sie verfolgt das Ziel, weltweit das Bewusstsein für die Themen Hören und Hörverlust zu fördern.

„Unsere Welt wird immer lauter. Deshalb wird es immer wichtiger, sich unabhängig vom Alter über die Bedeutung des Gehörs bewusst zu werden und sich über Hören und Hörverlust zu informieren. Genau das wollen wir mit Hear the World erreichen“, so Vanessa Erhard-Blattmann, Director of Communications bei Hear the World.