Zu den größten Problemen Südafrikas zählt nach wie vor die riesige Kluft zwischen Arm und Reich und der fehlende Zugang zu medizinischer Versorgung für Bedürftige. Um diese Lücke zu schliessen, arbeitet die Hear the World Foundation eng mit der HearX Group zusammen, welche eine App entwickelt hat, mit der Laien Hörscreenings druchführen können. Das Ziel des Projekts: bis Anfang 2019 10.000 Kinder zu testen. Daneben spendet Hear the World auch Hörgeräte für Kinder, bei denen ein Hörverlust identifiziert wurde.

Ort & Jahr

Südafrika, 2017 - 2018

Projekt Partner

hearX Group

Support

Technologie Finanzierung

Hauptfokus

Kinder Die hörmedizinische Versorgung von Kindern steht im Fokus des Engagements der Hear the World Foundation und konzentriert sich vor allem auf Länder mit niedrigem Einkommen.
Ausbildung von Experten Fachwissen und eine fundierte Ausbildung auf dem Gebiet der Audiologie sind in vielen Ländern kaum oder gar nicht zugänglich. Die Hear the World Foundation unterstützt daher Projekte, bei denen Fachleute vor Ort aus- und weitergebildet werden.
Prävention von Hörverlust Die Hear the World Foundation fördert die weltweite Aufklärung zu den Themen Hören und Hörverlust und trägt so zur Prävention und zu einem besseren Umgang mit Hörverlust bei.
Programme für Eltern & Familien Durch die Unterstützung von Eltern-Selbsthilfegruppen leistet die Hear the World Foundation einen wichtigen Beitrag, damit betroffene Eltern konkrete Hilfe und Beistand erhalten.

Zwar wurde 2012 von der südafrikanischen Regierung ein obligatorisches Hörtest-Programm für Schulkinder eingeführt, dessen Umsetzung verläuft jedoch nicht wie geplant. Es fehlt an Experten: In Südafrika gibt es durchschnittlich 2,4 Audiologen pro 100.000 Einwohner – in Großbritannien sind es 16,4. Zudem ist das audiologische Equipment unerschwinglich für den südafrikanischen Staat.

Dieses Problems hat sich das südafrikanische Startup hearX Group angenommen: Es hat eine App entwickelt, mit der Laien Hörtests durchführen können. Die App hearScreen ist so konzipiert, dass Hörscreenings ohne Kenntnisse in der Audiologie und lediglich mit einem speziellen Smartphone und einem Kopfhörer durchgeführt werden können – mit nur minimalem Schulungsaufwand.

Die Ergebnisse zeigen, dass es keinen Unterschied in der Testgenauigkeit zwischen einem erfahrenen Audiologen und einer Person mit begrenztem digitalem Know-how gibt, die für unsere Lösung geschult wurde.»
Nic Klopper, CEO der hearX Group

Ein weiterer Vorteil der App: Die Kosten für die Hörtests werden um 50 bis 70 Prozent gesenkt.

Früherkennung ist wichtig

Ein geschädigtes Gehör frühzeitig zu erkennen, ist für die Entwicklung von Kindern enorm wichtig: Je früher ein Hörverlust erkannt und behandelt wird, umso bessere Chance haben Kinder, sich altersgerecht zu entwickeln. Wird ein Hörverlust nicht behandelt, haben betroffene Kinder große Schwierigkeiten, sprechen zu lernen. Sie können dem Unterricht nicht richtig folgen – und manchmal auch gar keine Schule besuchen. Die Folgen für Kinder aus Familien mit geringem Einkommen sind fatal: Es droht ein Leben mit Einschränkungen und gesellschaftlicher Isolation.

Screening in den Townships Südafrikas

Früherkennung und rechtzeitige Behandlung von Hörverlust stehen im Zentrum des Projekts „HearSouthAfrica“. Bis März 2019 soll das Gehör von 10.000 bedürftigen Kindern, die in Townships bei Kapstadt und Pretoria leben, mithilfe der App hearScreen getestet werden. Die App wird bereits seit Juli 2017 in mehreren unterversorgten Townships eingesetzt: Soshonguve, Refilwe, Mamelodi, Atteridgeville, Eersterust, Laudium, Hammanskraal und Tembisa bei Johannesburg mit rund 1,4 Millionen Einwohnern sowie Khayelitsha in Kapstadt mit rund 2,5 Millionen Einwohnern. Ziel ist es zudem, Kapazitäten für die audiologische Nachsorge aufzubauen.

Die Tester: Einheimische ohne audiologische Kenntnisse

Die Hörtests werden von Bewohnern der Townships selbst durchgeführt. Sie kennen sich dort aus, können potenziell gefährlichen Situationen gut einschätzen und sprechen die afrikanischen Sprachen. Für diese Menschen bedeutet ihr Einsatz für HearSouthAfrica viel: Sie leisten einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft und finden so einen Weg aus der Arbeitslosigkeit. Nach einer kurzen Einweisung in die Bedienung der App und der Kopfhörer können sie die Tests selbst durchführen.

Hörgeräte und Nachsorge für Kinder

Wird bei einem Kind ein Hörverlust diagnostiziert, folgt ein zweiter Test mit der hearScreen App, um das erste Ergebnis zu bestätigen. Besteht ein Kind beide Tests nicht, wird es an einen lokalen Audiologen überwiesen. Falls das staatliche Gesundheitsprogramm nicht rechtzeitig eigene Hörgeräte für das Kind bereitstellen kann, bekommt es zwischenzeitlich leihweise Hörgeräte von der Hear the World Foundation. Damit wird sichergestellt, dass bedürftige Kinder so früh wie möglich mit Hörgeräten versorgt sind und ihre Entwicklung nicht durch lange Wartezeiten gebremst wird.

So hilft die Hear the World Foundation

Seit zwei Jahren unterstützt die Schweizer Hear the World Foundation das Projekt mit finanziellen Mitteln für das Screening-Projekt, Hörgeräten und durch die Entsendung von freiwilligen Pädaudiologen – also Audiologen, die speziell für Kinder ausgebildet sind. Ziel ist es, dass künftig der südafrikanische Staat das Projekt übernimmt.

Besseres Hören für 88 bedürftige Kinder

Im Juli erhielten zudem 88 bedürftige Kinder Hörgeräte. Dazu flog ein Team aus vier Pädaudiologen, allesamt freiwillige Mitarbeitende des Konzerns Sonova aus aller Welt für vier Tage in das Carel du Toit Centre nach Kapstadt. Das karitative audiologische Zentrum ist ein weiterer Partner des Projekts. Es bietet Hörtests, Hörgeräte-Anpassungen und Sprachtherapie für bedürftige Kinder an.

Hear the World Botschafter gibt Kindern Hoffnung

Zusammen mit dem Team der Hear the World Foundation reiste auch Gregor Meyle, deutscher Singer-Songwriter und Botschafter für bewusstes Hören, nach Südafrika. Mit der App hearScreen führte Meyle selbst Hörtests in Kayelitsha durch – und sang und musizierte mit den Kindern mit Hörverlust. Seine Mission: Mit unbändiger Freude an der Musik motiviert Meyle die Kinder, ihr Sprachvermögen weiter zu trainieren – und will ihnen damit Hoffnung für ihre Zukunft geben.

Das Ziel für die Zukunft: staatliche Unterstützung gewinnen

Damit das Projekt langfristig erfolgreich ist, sammelt das Team in Zusammenarbeit mit Prof. De Wet Swanepoel von der Universität Pretoria systematisch Daten aus der App. Mit den Forschungsergebnissen will das Team die südafrikanische Regierung von der Bedeutung des Projekts überzeugen und aufzeigen, wie wichtig es ist, Kindern eine altersgerechte Entwicklung zu ermöglichen.