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Peru: Hörtests am laufenden Meter

18. März 2019
Von Jennifer Appleton-Huber – Technical Editorial Manager at Phonak

560 Ohrenschmalzpfropfen, 21 Infektionen, 2 Piñata-Schaumstoffstücke und 1 lebendiges Insekt (Cochenilleschildlaus) – dies sind nur einige der Otoskopie-Befunde während einer typischen Woche von Hör-Screenings in Lima. Im September 2018 durfte ich als Teil eines kleinen Teams von Sonova-Volunteers nach Lima in Peru reisen. Unsere Aufgabe bestand darin, innerhalb von fünf Tagen mindestens 4000 Kinder auf Hörverlust zu untersuchen.
Obwohl Peru die universelle Richtlinie zum Neugeborenen-Screening verabschiedet hat, wird die Mehrheit der Neugeborenen und Kleinkinder nicht auf Hörverlust getestet, da auf 32 Millionen Einwohner nur gerade 10 Audiologen kommen. Aus diesem Grund haben die Hear the World Foundation und die World Wide Hearing Foundation International 2016 gemeinsam ein Programm ins Leben gerufen, damit unterversorgte Kinder in Peru auf Hörverlust getestet werden können. Sie erreichten ihr Ziel, über 30 000 Kinder zu testen, im November 2018.

Das Screening wurde in den meisten Fällen durch lokale Audiologen und Sprachtherapie-Studenten durchgeführt. Damit das hochgesteckte Ziel von 30 000 Kindern erreicht werden konnte, wurden vier Einsätze organisiert. Dafür flogen Sonova-Volunteers aus der ganzen Welt ein und führten innerhalb von einer Woche Hör-Screenings durch. Neben der Unterstützung bei den Hör-Screenings bestand die Aufgabe der Volunteers darin, den lokalen Mitarbeitenden Wissen zu vermitteln und sie in ihrer fachlichen Kompetenz zu schulen. Ich nahm an der letzten dieser vier Einsätze teil und da funktionierte der Ablauf schon wie am Schnürchen.

Wie sah unsere Arbeitswoche aus?

Tag 1:
Morgen: Anpassung von Hörgeräten bei Kindern, die während des letzten Einsatzes mit Hörverlust diagnostiziert wurden.
Nachmittag: Training zur Screening-Ausrüstung, zum Screening-Prozess und ein Crashkurs in Spanisch.

Tag 2–5:
Reise zu einer Schule am Stadtrand von Lima. Aufstellen von Screening-Stationen. Testen von einer Vielzahl von Ohren. Debriefing. Rückreise zur Unterkunft und Packen der Ausrüstung für den nächsten Tag.

Wie wurden die Screenings organisiert?

In jeder Schule stellten wir drei Stationen auf: eine Otoskopie-Station, eine Screening-Station und eine Station für erneute Tests.
Für die Otoskopie stellten sich die Kinder in einer Reihe auf. Zwei Audiologen schauten sich die Ohren von einem Kind nach dem anderen an. Jegliche Fremdkörper, Ohrenschmalzpfropfen oder Infektionen wurden notiert. Die Kinder gingen dann weiter zur Screening-Station.

Anzahl von untersuchten Ohren innerhalb von fünf Tagen: 8974

Interessante Otoskopie-Befunde: 560 Ohrenschmalzpfropfen, 21 Infektionen, 2 Piñata-Schaumstoffstücke und 1 lebendiges Insekt (Cochenilleschildlaus – erkannt von einem unserer Volunteers, der den Doktortitel in Biologie hat). 

Die Screening-Station bestand aus sechs Volunteers, die mit einem Touchscreen-Audiometer ausgerüstet waren. Nach der Otoskopie-Station nahmen die Kinder vor einem unserer Volunteers Platz. Die Volunteers sagten in ihrem besten Spanisch:  «Si escucha, levanta la mano.» (Wenn du etwas hörst, hebe deine Hand) Zu Beginn hatten wir Volunteers, die kein Spanisch sprachen, Mühe, diesen Satz im Kopf zu behalten. Am Ende des Einsatzes war er aber richtiggehend in unser Gedächtnis eingebrannt. Kinder, die das Screening bestanden, wurden zurück in ihre Klasse geschickt («Pasa!»). Kinder, die nicht bestanden, wurden zur Station für erneute Tests geschickt.

Bei dieser Station, die in einer ruhigeren Umgebung aufgestellt war, wurde ein präziserer Hörtest von einem erfahrenen Pädaudiologen durchgeführt. Die meisten Kinder bestanden den Test und gingen zurück in ihre Klasse. Kinder, die unter vermeintlichem Hörverlust litten, wurden namentlich erfasst. Ihnen wurde ein Termin bei einem peruanischen Audiologen in einer Hörklinik angeboten, der eine weitere Beurteilung und falls nötig eine Anpassung eines Hörgeräts vornehmen konnte.

Anzahl von Überweisungen an die Klinik innerhalb von fünf Tagen: 58 von 4487 untersuchten Personen (43 Kinder, 15 erwachsene Mitarbeitende der Schule). 

 

Was passierte mit den Kindern, die an eine Hörklinik überwiesen wurden?

Viele der 58 überwiesenen Kinder wurden in einer peruanischen Hörgerätklinik erneut untersucht und drei von ihnen haben bereits ihr Hörgerät erhalten.

Wie fühlten sich die Volunteers?

Wir waren nach dieser langen Woche erschöpft, fühlten uns aber auch beflügelt. Wir verspürten ein riesiges Erfolgsgefühl und waren sehr dankbar, dass wir an diesem wirklich lohnenswerten Erlebnis teilnehmen konnten. Wir sind zurück in unserem normalen Arbeitsleben bei Sonova, aber wie ein Volunteer (Tania) es schön ausdrückte, liessen wir ein Stück unseres Herzens in Peru.

Wir laden Sie ein, dieses kurze Video zum Einsatz #HearPeru anzusehen.
 

Links

Mehr über dieses von der Hear the World Foundation unterstützte Projekt

Über die Autorin

Jennifer Appleton-Huber – Technische Redaktionsmanagerin im Hauptsitz von Phonak

Jennifer stiess 2013 zum Hauptsitz von Phonak. Sie arbeitete vorher hauptsächlich in Grossbritannien und in der Schweiz in der audiologischen Forschung sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern (in den Bereichen Hörgeräte und Cochlea-Implantate). Sie machte ihren Master in Audiologie an der Universität Manchester.
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