Entwicklung von Kapazitäten: Kenia
Sense International Kenya
Der Aufbau lokaler Expertise ist entscheidend, damit Kinder mit Hörverlust rechtzeitig diagnostiziert und versorgt werden. In vielen Regionen sind Hörscreenings aufgrund fehlender Fachkräfte und begrenzter Ressourcen nur eingeschränkt verfügbar. In Kenia bildet unser Projektpartner Sense International Kenya klinische Screener in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen im Bezirk Kwale aus, einem Küstenbezirk im Südosten Kenias mit einer Bevölkerung von 870’000 Menschen.
Fast 90 Gesundheitsfachleute aus Bereichen wie Mutter-Kind-Gesundheit, Pädiatrie, Geburtshilfe und Neugeborenenversorgung wurden darin geschult, Hörscreenings als Teil der regulären Spitalleistungen durchzuführen. Indem das Screening in die alltägliche Versorgung integriert wird, können Kinder dort erreicht werden, wo sie ohnehin betreut werden.
Das Modell fördert die gemeinsame Verantwortung über verschiedene Spitalabteilungen hinweg. Durch rotierende Screening-Pläne und praxisnahe Schulungen mit spezialisierten Geräten bauen die Gesundheitsfachleute praktische Kompetenzen auf und können diese langfristig erhalten. Zugleich stärkt die Initiative die institutionelle Verankerung: Durch den Einbezug des direkt in der Versorgung tätigen Gesundheitspersonals sowie der Leitung der Bezirksgesundheitsbehörden wird das Screening in die regulären Dienstleistungen und Planungsstrukturen integriert.
Das Projekt trägt zur Umsetzung des Gesundheitsentwicklungsplans des Bezirks Kwale im Rahmen des übergeordneten Bezirksentwicklungsplans bei. Darin war die Ohr- und Hörversorgung zwar als Schwerpunkt vorgesehen, konnte jedoch aufgrund begrenzter Ressourcen bisher nicht umgesetzt werden. Mit technischer Unterstützung, Geräten und dem Aufbau von Fachkompetenzen hilft das Programm, diese Prioritäten in funktionierende Angebote zu überführen.
Das Programm stärkt zudem die Überweisungswege zwischen Schulen, Gemeindeeinheiten und Gesundheitseinrichtungen. Geplant ist, die Leistungen auf weitere Teilbezirke in Kwale auszuweiten, um einen gleichberechtigten Zugang in Matuga, Msambweni, Lunga Lunga und Kinango sicherzustellen und ein dezentrales Modell zu schaffen, das anderen Bezirken als Vorlage dienen kann.
Indem Hörscreenings in die reguläre Gesundheitsversorgung eingebettet und lokale Fachkompetenzen gestärkt werden, schafft das Programm ein nachhaltiges Modell, das Fachpersonen befähigt, die Hörversorgung in ihren Gemeinden langfristig zu verbessern.
Interview
Omar Mwatita
Ernährungsberater, Kwale Sub County Hospital

Q: Was war die wertvollste Fähigkeit oder Erkenntnis, die Sie aus diesem Schulungsprogramm für Hörscreenings mitgenommen haben?
Am wertvollsten war für mich zu lernen, wie ich mit Familien in Kontakt trete: welche Fragen ich stelle und wie ich Betreuungspersonen ermutige, sich zu öffnen und zu erzählen, was zu Hause geschieht. Das macht einen entscheidenden Unterschied, wenn es darum geht, verlässliche Informationen zu erhalten.
Gleichzeitig ist meine Fähigkeit gewachsen, mich in Mütter und Familien einzufühlen. Ich habe erlebt, wie Vertrauen, das sich mit der Zeit langsam aufbaut, eine Beziehung schafft, in der sich Familien sicher fühlen und Vertrauen in den Prozess entwickeln.
Q: Was ist für Sie die grösste Herausforderung und was die grösste Bereicherung bei der Durchführung von Hörscreenings in Ihrer Gemeinschaft?
Die Herausforderungen sind real und vielfältig. Die Arbeit mit autistischen, hyperaktiven oder nicht kooperativen Kindern erfordert viel Geduld und Anpassungsfähigkeit. Kein Screening verläuft wie das andere. Zudem begegnen wir immer wieder Missverständnissen und falschen Vorstellungen über Hörscreenings. Deshalb gehören Aufklärung und Beruhigung oft ebenfalls zu unserer Aufgabe.
Screening
5,448
Neugeborene und Kinder werden untersucht

Intervention
50
Neugeborenen und Kindern wurden Hörgeräte angepasst

Entwicklung von Kapazitäten
88
Ausgebildete Personen
