Bewusstseinsbildung: Zambia
Christian Blind Mission
In vielen Gemeinschaften besteht der erste Schritt im Umgang mit Hörverlust darin, Familien Zugang zu verlässlichen Informationen zu ermöglichen. Wenn Betreuungspersonen, Lehrpersonen und Gemeindeleitungen die Anzeichen von Hörverlust sowie die Bedeutung früher Intervention verstehen, erhalten Kinder deutlich eher die Unterstützung, die sie benötigen.
In Sambia stärken unsere Projektpartner Christian Blind Mission und Beit CURE Hospital Zambia die Sensibilisierung durch ein Netzwerk gemeindebasierter Freiwilliger, sogenannter Community-Based Volunteers (CBVs). Diese im nationalen öffentlichen Gesundheitssystem verankerten Freiwilligen sind geschulte Gemeindemitglieder und bilden eine zentrale Verbindung zwischen der Bevölkerung und den Gesundheitseinrichtungen. Ihre Aufgabe ist es, Informationslücken zu schliessen, Kinder mit Ohr- und Hörproblemen zu erkennen und Familien zu ermutigen, eine passende Versorgung in Anspruch zu nehmen.
Fast 400 CBVs sind in sieben Provinzen im Einsatz. Da sie lokal rekrutiert werden, schaffen sie Vertrauen und bringen ein hohes Mass an kulturellem Verständnis mit. Sie sprechen lokale Sprachen, arbeiten mit vertrauten Beispielen und helfen so, Mythen und Missverständnisse abzubauen – etwa die Annahme, Hörverlust habe spirituelle Ursachen. Gleichzeitig vermitteln sie evidenzbasierte Informationen über Hörgesundheit und den Nutzen unterstützender Technologien wie Hörgeräte.
CBVs sind oft die erste Brücke zwischen der Gemeinschaft und dem medizinischen Fachpersonal. Durch Hausbesuche sowie Gespräche auf Märkten, in Schulen und bei Gemeindeveranstaltungen erkennen sie Kinder mit möglichen Hörproblemen und überweisen sie zum Screening und zur weiteren Versorgung. Viele Freiwillige begleiten Familien zu ihrem ersten Termin und helfen so, Ängste oder Unsicherheiten abzubauen, die sie sonst davon abhalten könnten, Hilfe zu suchen.
Indem das Bewusstsein für Hörgesundheit im Alltag der Gemeinschaft verankert wird, fördert das Programm die frühe Erkennung und Behandlung von Hörverlust. So erhalten Kinder bessere Chancen, in den entscheidenden frühen Lebensjahren Sprache, Kommunikation und soziale Fähigkeiten zu entwickeln.
Interview
Dr. med. Doreen Mulenga, ehemalige UNICEF-Repräsentantin, pensionierte Ärztin und Mitglied des Beirats der Hear the World Foundation

Q: . Wie wichtig ist gemeindebasierte Sensibilisierung, um Gesundheitsprobleme wie Hörverlust anzugehen?
Gemeindebasierte Sensibilisierung ist ein wesentlicher Programmbestandteil. Sie kann den Unterschied machen zwischen einer nicht erkannten Beeinträchtigung und einer frühen Intervention.
Hörprobleme sind oft unsichtbar und entwickeln sich schleichend. Deshalb suchen Betroffene häufig nicht rechtzeitig Hilfe. Informationen, die über vertrauenswürdige lokale Kanäle wie gemeindebasierte Freiwillige vermittelt werden, sind auf lokale Überzeugungen, Sprachen und Normen abgestimmt. Das stärkt das Vertrauen, erhöht die Nutzung bestehender Angebote und hilft zugleich, Herausforderungen wie Stigmatisierung gezielt anzugehen.
Q: Was braucht es, damit ein Programm wie jenes von CBM und Beit CURE Hospital nachhaltig Wirkung erzielt?
Der Einsatz gemeindebasierter Freiwilliger ist in einem Parlamentsgesetz verankert und verfügt damit über eine starke politische und rechtliche Grundlage für eine weitere Ausweitung. Zugleich schafft der Ausbau einer umfassenden Hörversorgung im Rahmen dieser Partnerschaft die entscheidende Verbindung zwischen Sensibilisierung in den Gemeinschaften und dem Zugang zu konkreten Leistungen. So lässt sich verhindern, dass Aufklärung ins Leere läuft und Familien trotz wachsendem Bewusstsein keine passende Unterstützung erhalten.
CBM und Beit CURE Hospital haben die CBVs in bestehende Systeme eingebunden und stellen damit sicher, dass Hörversorgung Teil der regulären Angebote für Kinder wird. Ihr Einsatz an vertrauten Orten wie Märkten, Kirchen, Schulen und lokalen Veranstaltungen trägt zudem dazu bei, unterstützende Technologien wie Hörgeräte zu normalisieren und im sozialen Umfeld besser zu verankern.
Screening
14,437
Neugeborene und Kinder werden untersucht

Intervention
105
Neugeborenen und Kindern wurden Hörgeräte angepasst

Entwicklung von Kapazitäten
260
Ausgebildete Personen
