Kambodscha ist noch immer gezeichnet von der 1979 zu Ende gegangenen Schreckensherrschaft der Roten Khmer und gemäss UNO eines der ärmsten Länder der Welt. So erstaunt es wenig, dass die medizinische Versorgung im Südostasiatischen Staat vor allem in ländlichen Gebieten ungenügend ist – auf 1000 Einwohner kommen gerade mal 0.2 Ärzte.

Ort & Jahr

Phnom Penh, Kambodscha, seit 2010

Projekt Partner

All Ears Cambodia

Awards

John Bamford Award

Support

Technologie Finanzierung Wissen

Hauptfokus

Children Providing audiological care for children in low-income countries is a focal area of the Hear the World Foundation’s activities.
Professional training The Hear the World Foundation supports projects that enable continuous audiological training for professionals on site.
Prevention of hearing loss The Hear the World Foundation globally promotes awareness for the topics of hearing and hearing loss and thus actively contributes toward the prevention of hearing loss.
Programs for parents & families By supporting self-help groups for parents, the Hear the World Foundation makes an important contribution, thus ensuring that affected parents receive specific help and assistance.
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Kambodschas Gesundheitssektor ist stark auf Entwicklungshilfe angewiesen, diese fliesst vor allem in die Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria. Obwohl chronische Mittelohrentzündungen ein grosses Problem in Kambodscha sind, fehlt ein staatliches Ausbildungsprogramm für Audiologen. Laut WHO gibt es weniger als einen Audiologen pro Million Einwohner. Die Ursachen von Hörverlust reichen von falsch behandelten Mittelohrentzündungen, überdosierten Malaria-Medikamenten bis hin zu akustischen Traumata durch Landminen. Dazu kommen Fälle von Ototoxizität sowie angeborene Innenohr-Schwerhörigkeit.

Als ich Glyn kennengelernt habe, war ich als Englisch Lehrerin tätig. Bei All Ears Cambodia wurde ich dann während zwei Jahren intensiv im Bereich Audiologie geschult. Das Schönste ist für mich, wenn ich einem Kind mit einem Hörgerät Zugang zur Welt der Klänge geben kann - dafür liebe ich meinen Beruf!»
Alin

AUDIOLOGISCHE VERSORGUNG IN EINEM LAND OHNE AUDIOLOGEN

Doch es gibt Hoffnung: Seit zwölf Jahren setzt sich die Organisation All Ears Cambodia für die Hörgesundheit der ärmsten Kambodschas ein. Was 2003 als Ein-Mann Klinik des Engländers Glyn Vaughan startete, ist mittlerweile auf ein Netzwerk mit vier Kliniken und 28 Mitarbeitenden angewachsen. Dazu kommen regelmässig durchgeführte so genannte Mobile Missions. Ausgerüstet mit dem für eine Primärversorgung nötigen Material besucht das Team abgelegene Gebiete und behandelt Patienten. Ausserdem bildet All Ears Cambodia Klinikmitarbeitende im eigenen Trainingscenter in einem zweijährigen Studiengang aus. Am Vormittag steht praxisnahe Ausbildung mit einem erfahrenen Klinikmitarbeiter auf dem Programm, am Nachmittag jeweils Vorlesungen.

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Die Behandlung in den Kliniken von All Ears Cambodia ist für bedürftigen Patienten gratis – freiwillige Spenden für Medikamente können je nach finanzieller Situation ausgerichtet werden. Die Bedürftigkeit der Patienten wird über ein Voucher System des Kambodschanischen Staats geprüft.

PRÄVENTIONSARBEIT IM FOKUS

Die Hear the World Foundation unterstützt All Ears Cambodia seit 2010 finanziell, durch Hörgeräte- und Batteriespenden sowie mit fachlicher Expertise.

Die Organisation finanziert Präventionsarbeit, denn chronische Mittelohrentzündungen stellen ein grosses Problem in Kambodscha dar. Diese Entzündungen werden oft jahrelang nicht behandelt und führen so zu Entzündungen des Trommelfells bis hin zu dessen Perforation und schliesslich zu Hörverlust. Doch dieses Krankheitsbild ist bei der Bevölkerung weitestgehend unbekannt. Hier Abhilfe zu schaffen und mittels Workshops, Plakaten und einfach gestalteten Broschüren zu informieren ist ein wichtiges Element der Arbeit von All Ears Cambodia. Dazu kommt die Abgabe von Schwimmschützen für Kinder mit verletzten Trommelfellen. Denn durch ein verletztes Trommelfell kann Wasser ungehindert in den Gehörgang gelangen, dies kann zu weiteren Infektionen und schliesslich zu Hörverlust führen. Seit August 2015 können, im von Hear the World finanzierten Labor in der Klinik in Siem Reap, Gehörschütze sowie Ohrpasstücke für Hörgeräte unter Einsatz modernster Technologie angefertigt werden. „Im neuen Labor werden wir jährlich rund 2800 Ohrpasstücke, Schwimm- und Lärmschütze anfertigen. Das Training bei Phonak Singapur hat mir das nötige Wissen für diese Arbeit gegeben“, erklärt Lo, Senior Clinican in Siem Reap.

Aktuell arbeitet AEC an einer Aufklärungskampagne mit der über 330‘000 Fabrikarbeiter in Kambodschaangesprochen werden. Gehörschütze sind in Kambodschas Bekleidungsindustrie und auf dem Bau kaum verbreitet – diese leicht vermeidbaren Hörverluste zu verhindern ist ein wichtiges Ziel von All Ears Cambodia für die nächsten Jahre.

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EXPERTENBETREUUNG FÜR HOCHGEFÄHRDETE MÄDCHEN UND FRAUEN

Ein weitere Fokus der Partnerschaft zwischen der Hear the World Foundation und All Ears Cambodia liegt in der Bereitstellung von hörmedizinischer Grundversorgung sowie Gehörrehabilitation für hochgefährdete Mädchen und Frauen. Das sind Mädchen und Frauen aus Familien mit unzureichendem Einkommen, Opfer von Menschenhandel und häuslicher Gewalt, AIDS- und HIV-Positive, Weisen, Opfer von Säureattacken, die keinen Zugang zu Expertenbetreuung haben. Dank der Wiederherstellung ihres Gehörs können die Mädchen und Frauen lernen, richtig zu sprechen. So erhöht sich ihre Chance eine allgemeine Schulbildung zu geniessen und sich sozial in die Gesellschaft integrieren zu können.



Prof John Bamford war Mitglied im Beirat der Hear the World Foundation und Hon. Prof. Audiologie an der Universität Manchester / England. Sein Interesse gilt insbesondere dem Hörscreening bei Kindern, der pädiatrischen Audiologie und der Verbesserung der diesbezüglichen Gesundheitsversorgung. Er hat für den irischen Gesundheitsdienst HSE eine Analyse der audiologischen Gesundheitsversorgung in Irland geleitet und war bei der Umsetzung eines entsprechenden Verbesserungsprogramms beratend tätig.

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