Sonova-employee-volunteering-for-the-Hear-the-World-Foundation

Schon seit einigen Jahren möchte  ich mich stärker für die humanitären Bemühungen der Hear the World Foundation engagieren. Daher bin ich glücklich und fühle mich geehrt, die Gelegenheit erhalten zu haben, der erste Sonova Mitarbeiter zu sein der sich durch freiwilligen Arbeit einsetzen kann. Vom 7. bis 11. April reiste ich nach Nairobi, Kenia um das Partnerprojekt der Stiftung „Regain Hearing – Join Life“ zu unterstützen. Begleitet wurde ich dabei von Michaela Fuchs, einer HNO (Hals-Nasen-Ohren)-Ärztin aus Deutschland, die dem Wohltätigkeitsprojekt der Lufthansa Cargo Human Care angehört. Im Laufe der letzten Jahre arbeitete die Hear the World Foundation mit Dr. Fuchs zusammen, um bedürftigen Kindern in Nairobi hörmedizinische Versorgung zu ermöglichen.

Vergangenes Jahr wurde die Entscheidung getroffen, eine neue lokale Audiologin als Verstärkung vor Ort zu gewinnen. Ihr Name ist Serah Ndegwa, und wie es der Zufall will, ist sie eine ehemalige Schülerin von John Bamford, einem Mitglied des Stiftungsbeirat der Hear the World Foundation. Die Hear the World Foundation hat dem Projekt mehrere Diagnostikgeräte (Audiometer und visuell verstärkter Audiometrietest, VRA) zur Verfügung gestellt , die in ihrer Klinik eingesetzt werden. Meine Aufgabe bestand in erster Linie darin, die Klinik zu besuchen und sicherzustellen, dass die Einrichtungen und Angebote für die hörmedizinische Versorgung von Kindern, bei der einige Besonderheiten zu beachten und für die auch eine entsprechende Schulung erforderlich ist, geeignet sind. Ein wichtiger Aspekt bei der Anpassung pädiatrischer Hörgeräte ist die Verifizierung. Als ich von meinem Einsatz erfuhr, setzte ich mich umgehend mit Serah in Verbindung.  Sie berichtete mir, dass sie zwar über die erforderlichen Diagnostikgeräte verfüge, aber nicht über das entsprechende Verifizierungsgerät. So bemühte ich mich umgehend,  Verifizierungsgeräte zu organisieren. Dafür wandte ich mich an die Firma Audioscan in Kanada, welche sich bereits wenige E-Mails später dazu bereit erklärten uns eines ihrer jüngsten Verifizierungsgeräte „Axiom“ zu stiften. Erfreulicherweise traf das Geräte, trotz der kurzen Vorlaufzeit, gerade noch rechtzeitig in der Schweiz ein, so dass ich es auf meine Reise mitnehmen konnte. Mein grosser Dank geht an Audioscan und alle, die dazu beigetragen haben, dass wir dieses Gerät noch rechtzeitig erhalten haben, vor allem aber an die Versandabteilung bei Unitron in Kitchener.

Endlich angekommen.

Kurz nach meiner Ankunft nutzte ich meine wenigen freien Stunden um mich ein bisschen in der Umgebung von Nairobi umzuschauen. Im Anschluss traf ich die HNO-Ärztin Michaela Fuchs und einen bei Cargo Human Care tätigen Allgemeinarzt zum Abendessen um die Einzelheiten für die nächsten Tage zu klären. Wie so oft kommt dann doch alles anders als geplant und so komme ich auch zur Erklärung der Titelwahl meines Erfahrungsberichts. "Hakuna Matata": Die meisten von uns kennen diesen Ausdruck aus dem Disney-Film "Der König der Löwen". In Suaheli bedeutet dies "keine Sorge". Und schon bald zeigte sich, wie sinnvoll es sein würde, meine Zeit in Nairobi flexibel und gelassen anzugehen, mir eben keine Sorgen zu machen. Das Alltagsleben in Kenia ist kaum  mit der Schweizer Präzision und Pünktlichkeit zu vergleichen. Dies illustriert folgendes Erlebnis besonders eindrücklich. Wir hatten geplant an unserem 2. Tag sämtliche Kinder, für die neue Hörgeräte vorgesehen waren, zu untersuchen und am darauffolgenden Tag allfällige Anpassungen vorzunehmen. Aber aufgrund der Amtseinführung des neuen kenianischen Präsidenten, Uhuru Kenyatta, wurde dieser Tag im Handumdrehen zum Staatsfeiertag erklärt. Das ganze Land ging an diesem Tag nicht zur Arbeit, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. So konnten wir an diesem Tag nicht arbeiten. Aber so ist es nun mal – Hakuna Matata! Glücklicherweise gelang es uns, den Zeitplan so anzupassen, dass wir trotzdem alle Aufgaben erledigen konnten. 

Der erste Tag.

Am ersten Tag war ich in erster Linie damit beschäftigt, im audiologischen Zentrum Nairobi, wo Serah ihr Büro hat, die neuen Geräte von Audioscan zu installieren und ihr zu erklären, wie sie die Geräte zusammen mit der Anpass-Software von Phonak zur Verifizierung einsetzt. 

Der zweite Tag.

Am nächsten Tag besuchte ich zusammen mit einem Stadtführer die Feierlichkeiten zur Amtseinführung des neuen Präsidenten und hatte so die Möglichkeit, Nairobi aus erster Hand kennenzulernen. Meine Zeit in Kenia und die dabei gesammelten Erfahrungen brachten mich auch dazu, Naipoki, einen Elefantenwaisen im Elefantenwaisenhaus des Sheldrick Wildlife Trust, zu adoptieren. «Adoptieren» bedeutet in diesem Fall, dass ich eine Spende zu seiner Pflege leistete.

Der dritte Tag.

Der dritte Tag war sehr arbeitsreich. Von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends versorgten wir die Kinder der Joymereen-Schule, in der Kinder mit Hörverlust betreut werden, mit Hörgeräten. Zusammen passten Serah und ich bei 10 Kindern insgesamt 18 Phonak Naída S Hörgeräte an, davon waren 8 binaurale und 2 monaurale Anpassungen. Bei einigen Kindern waren zu diesem Zeitpunkt noch keine Anpassung möglich, da weder Ohrabdrücke noch Diagnoseergebnisse vorlagen. Immerhin hatten wir jedoch die Vorarbeit geleistet, um auch bei ihnen in Kürze eine Anpassung vornehmen zu können. Das mitgebrachte Verifizierungsgerät hatten wir aktiv im Einsatz. Für Serah war das Ganze eine gute Übung, um zu sehen, wie man das Gerät einsetzt (und in einigen Fällen, wie man es eben besser nicht einsetzt). 

Aufgrund der erwähnten kurzfristigen Änderung unseres Zeitplans, war es mir leider nicht möglich, mit Dr. Fuchs die Cargo Human Care Klinik persönlich zu besuchen. Wir hatten  aber immerhin die Möglichkeit, beim täglichen Abendessen unsere Arbeit zu besprechen. Am letzten Tag  lernte ich zudem noch Jackie Odour vom Jabali-Kindergarten kennen. Der Kindergarten wurde bereits ebenfalls von  der Hear the World Foundation unterstützt. Wir sprachen über die Fortschritte, die von Hörverlust betroffene Kinder im Jabali-Kindergarten erzielen, über die bei Hörgeräten auftretenden Probleme (Wartung und Reparaturen) und über eine von Jackie ins Leben gerufene Selbsthilfegruppe für Eltern. Schliesslich besuchte ich noch die neue Jabali-Grundschule.

Insgesamt war es ein grossartiges Erlebnis, die Arbeit der Hear the World Foundation kennenzulernen und daran teilnehmen zu können. Zukünftig soll es noch viele weitere dieser Gelegenheiten für ehrenamtliches Engagement durch Mitarbeiter geben, deshalb kann ich meine Kolleginnen und Kollegen bei Sonova nur dazu ermutigen, diese Chance zu nutzen!

Douglas Baldwin, Doktor der Audiologie
Leiter Audiologie und Schulung, Unitron International