medienmitteilung

STUDIE zeigt: 48 % hatten schon einmal einen tinnitus

Stäfa, 08. Juni 2016

Aktuelle Studie der Hear the World Foundation zeigt: 48% der Schweizer hatten schon einmal einen Tinnitus. Ein cooles Konzert, ein Festivalbesuch, Feiern im Club: Mehr als die Hälfte der Schweizer gehen regelmässig aus und geniessen laute Musik in vollen Zügen. Was viele dabei vergessen: Auch wenn guter Sound Spass macht, können die Konsequenzen für unser Gehör schwerwiegend sein. Rechtzeitig zur Festivalsaison hat die Hear the World Foundation mit der Studie „So hört die Welt“unser Hörverhalten und die Folgen unter die Lupe genommen – mit alarmierenden Ergebnissen: So hatten nach einem Konzert- oder Clubbesuch 48 % der befragten Schweizer schon einmal einen Tinnitus. 57 % der befragten Schweizer tragen nie Gehörschutz, wenn sie Orte mit lauter Musik besuchen. 30 % von ihnen unterschätzen dabei die effektive Lautstärke.

Keine Frage: Ausgehen, feiern und dabei Musik geniessen macht Spass. Wenn man allerdings bedenkt, dass bei Konzerten und in Clubs Lautstärken von 100 Dezibel und mehr (entspricht in etwa dem Lärmpegel einer Kettensäge) erreicht werden, ist jeder gefordert, seinen Hörsinn zu schützen. Ist das Gehör erst einmal geschädigt, gibt es kein Zurück mehr – Hörverlust ist irreversibel. Mit der internationalen Studie „So hört die Welt“ 1 geht die Hear the World Foundation der Frage nach, wie sorgsam wir mit unserem Gehör umgehen und beleuchtet das Wissen rund um die Themen Hören und Hörverlust.

Die wichtigsten Resultate für die Schweiz auf einen Blick:

  • Mehr als die Hälfte (57 %) der befragten Schweizer besuchen regelmässig Veranstaltungen mit lauter Musik: 36 % mehrmals pro Jahr, 16 % mindestens einmal pro Monat und 5 % mindestens einmal pro Woche.
     
  • Rund die Hälfte (48 %) der befragten Schweizer geben an, dass sie nach einem Konzert- oder Clubbesuch schon einen Tinnitus hatten. 18 % der Betroffenen haben deshalb einen Arzt aufgesucht, bei 16 % wurden die Ohrgeräusche zum Langzeitproblem.
     
  • Nur 11 % der befragten Schweizer tragen immer einen Gehörschutz, wenn sie Orte mit lauter Musik besuchen, 32 % schützen ihr Gehör manchmal, 57 % nie – und das, obwohl in der Schweiz Veranstalter ab einem mittleren stündlichen Schallpegel von 93 dB(A) verpflichtet sind, Gehörschutz gratis an die Besucher abzugeben.
     
  • Die Hauptgründe, warum nur so wenige ihr Gehör schützen: Rund ein Drittel (30 %) der befragten Schweizer unterschätzen die tatsächliche Lautstärke, 28 % befürchten, sich nicht mehr mit Anderen unterhalten zu können und 26 % einen eingeschränkten Musikgenuss. 

    Im internationalen Vergleich liegen die Brasilianer mit 64 % ganz vorne, wenn es um den regelmässigen Besuch von Veranstaltungen mit lauter Musik geht. Und auch bei den Tinnitus-Fällen ist Brasilien Spitzenreiter: 67 % der Befragten geben an, dass sie schon einmal betroffen waren. Obwohl die Schweizer nach Brasilien am zweithäufigsten (57 %) regelmässig Orte mit lauter Musik besuchen, sind sie am wenigsten von Tinnitus betroffen (48 %). Ein möglicher Grund hierfür ist die gesetzliche Verpflichtung zur Gratisverteilung von Gehörschutz in der Schweiz – auch wenn immer noch viele Menschen (57 %) das Angebot nicht nutzen.

Aufklärung tut also Not, um mehr Bewusstsein für die schwerwiegenden Folgen von zu lauter Musik zu schaffen und um Vorurteile gegenüber Gehörschutz abzubauen.

Zielführende Hear the World Aufklärungskampagne

Als Präventionspartner ist die Hear the World Foundation mit einer umfassenden Gehörschutzkampagne bei Konzerten des führenden Schweizer Konzertveranstalters abc Production präsent und erreicht so jährlich rund 600.000 Besucher. Neben einem Gratis-Gehörschutz fordern Songzitate berühmter Hear the World Botschafter Besucher dazu auf, ihr Gehör zu schützen.

„Um mehr Menschen zu überzeugen, ihr Gehör zu schützen, ist Prävention und Aufklärung nötig. Dabei gilt es, mehr Bewusstsein für das individuelle Risiko jedes Einzelnen zu schaffen und auch das soziale Umfeld mit einzubeziehen, wie unsere aktuelle Studie zeigt 2. Die Gehörschutzkampagne von Hear the World setzt besonders den sozialen Aspekt gut um: Sie macht mit bekannten Musikern auf das Thema Gehörschutz aufmerksam, mit denen sich das Publikum verbunden fühlt. Bei unseren Untersuchungen konnten wir die beste Gehörschutzrate (61%) bei einem Konzert von Unheilig im Hallenstadion Zürich verzeichnen, bei dem Hear the World vor Ort war. Gut möglich, dass die Kampagne zu dieser hohen Gehörschutzrate beigetragen hat“, erläutert Prof. Dr. Sarah Chiller-Glaus, Wahrnehmungspsychologin und Leiterin der Musikforschung an der Kalaidos Fachhochschule Schweiz.

Wie man sein Gehör bei Konzerten und in Clubs schützen kann:

  • Immer Ohrstöpsel tragen.
  • Nicht zu nah an der Bühne oder an den Lautsprechern stehen.
  • Smartphone Apps nutzen, mit denen sich der Umgebungslärm messen lässt.
  • Bei Festivals Dauerbeschallung vermeiden und zwischen den Konzerten bewusst Ruhepausen für die Ohren einlegen.
  • Ausreichend Wasser trinken. Das sorgt auch für eine bessere Durchblutung der Haarzellen in der Ohrenschnecke und unterstützt so die Funktion unseres Gehörs.
  • Nach dem Ausgehen: Den Ohren ausreichend Ruhe gönnen – mindestens 10 Stunden.
  • Falls es doch passiert: Bei anhaltenden Ohrgeräuschen umgehend einen Arzt aufsuchen.

1 Für die Studie „So hört die Welt“ hat das Marktforschungsinstitut Research Now von September bis November 2015 je 1.000 Menschen in Deutschland, der Schweiz, USA, Brasilien und China im Alter von 16 bis 55 Jahren befragt.
2 Chiller-Glaus, S., Hackenfort, M., Diener, S., & Basel, J. (2016). Gehörschutz bei lauter Musik – Hemmnisse aufgrund subjektiver Fehleinschätzungen. Kalaidos Fachhochschule und Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Zürich.

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