Home>Engagement>Hilfsprojekte>Nordamerika>Dominikanische Republik: Pädaudiologie im Ferienparadies

Während Urlauber die Dominikanische Republik meist als Postkarten-Idylle wahrnehmen, leben fast die Hälfte der Einheimischen in einem Elendsviertel. Der Zugang zu einer medizinischen Versorgung ist für viele Menschen dort unerschwinglich. Mit dem Ziel, diesen Menschen eine bezahlbare, aber erstklassige Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, wurde 1980 das Centro Cristiano de Servicios Médicos in Santo Domingo gegründet. Heute verfügt die Klinik über fünf Standorte im ganzen Land. So können auch Menschen in entlegenen Regionen medizinisch erreicht werden. Dank der Unterstützung der Hear the World Foundation bekommen Einheimische aus allen Bevölkerungsschichten dort Zugang zu einer erstklassigen audiologischen Versorgung.

Ort & Jahr

Santo Domingo, Dominikanische Republik, seit 2010

Awards

Richard Seewald Award

Support

Technologie Finanzierung Wissen

Hauptfokus

Kinder Die hörmedizinische Versorgung von Kindern steht im Fokus des Engagements der Hear the World Foundation und konzentriert sich vor allem auf Länder mit niedrigem Einkommen.
Ausbildung von Experten Fachwissen und eine fundierte Ausbildung auf dem Gebiet der Audiologie sind in vielen Ländern kaum oder gar nicht zugänglich. Die Hear the World Foundation unterstützt daher Projekte, bei denen Fachleute vor Ort aus- und weitergebildet werden.
Prevention of hearing loss The Hear the World Foundation globally promotes awareness for the topics of hearing and hearing loss and thus actively contributes toward the prevention of hearing loss.
Programs for parents & families By supporting self-help groups for parents, the Hear the World Foundation makes an important contribution, thus ensuring that affected parents receive specific help and assistance.

Alles begann im Jahr 2010 mit einem Förderantrag an die Hear the World Foundation zur Finanzierung eines Schallpegelmessgeräts – ein Instrument für professionelle audiologische Diagnosen. Und heute bietet das Centro Cristiano de Servicios Medicos einen audiologischen Service, der auf der Karibikinsel einmalig ist. Die Klinik ist modern ausgestattet und verfügt über audiologisch qualifiziertes und passioniertes Personal. Ein eigenes Ausbildungsprogramm stellt sicher, dass Nachwuchskräfte professionell geschult werden. 

Ausbildung von 33 lokalen Audiologen

Wie es zu diesem Erfolg kam: 2010 finanzierte die Hear the World Foundation zunächst Diagnose-Instrumente zur Ermittlung von Hörverlust sowie Fortbildungen des lokalen Projektteams. Im Jahr 2014 reiste der international renommierte Pädaudiologe Prof. Richard Seewald vom Hear the World-Beirat auf die Karibikinsel, um sich ein Bild von der Klinik und der Situation vor Ort zu verschaffen. In der Folge entwickelte Seewald mit der Projektverantwortlichen Nicole Hunter-Diaz einen Masterplan für die nächsten fünf Jahre, um das Centro Cristiano zu einer Vorzeigeklinik weiterzuentwickeln.

«Bei unserem Besuch vor Ort trafen wir auf fünf leidenschaftliche und engagierte Mitarbeitende. Zudem zeigte die Klinikleitung grosse Bereitschaft, die Qualität der hörmedizinischen Versorgung vor allem in Bezug auf die Versorgung von Babys, Kleinkindern und deren Familien zu verbessern. Das hat sich optimal mit zwei Zielen unserer Stiftung gedeckt, lokale Kapazitäten aufzubauen sowie der Früherkennung und -Versorgung von Hörverlust», erklärt Richard Seewald. 

Zunächst wurde mit Fördermitteln der Hear the World Foundation die Klinik renoviert und mit modernsten Geräten ausgestattet. Dann wurde Einheimischen eine vollumfängliche audiologische Ausbildung ermöglicht. Mittlerweile zählt das Projekt 33 ausgebildete Audiologen, die – auf drei Standorte verteilt, der dominikanischen Bevölkerung eine hörmedizinische Versorgung bieten. Regelmässige Schulungen durch Sonova-Volunteers sowie Hear the World Master Clinician Diana Laurnagaray aus Argentinien sorgen dafür, dass die audiologische Versorgung höchste internationalen Standards entspricht. 

«Während mehreren Besuchen vor Ort haben wir das Personal aus- und weitergebildet und mit internationalen Protokollen vertraut gemacht. Dank dieser Unterstützung verfügt das Centro Cristiano heute über das nötige Fachwissen», so Laurnagaray.

Auch unterstützte die Hear the World Foundation das Centro Cristiano von Anfang an mit modernen digitalen Hörgeräten, damit auch jene Patienten versorgt werden konnten, die sich keine Hörhilfen leisten konnten.

Aufbau eines landesweiten Früherkennungsprogramms

Ein weiterer Meilenstein folgte 2016 mit dem Aufbau eines Hörscreening-Programms für Neugeborene. Dafür arbeitet das Centro Cristiano mit der grössten Geburtsklink von Santo Domingo, in der jährlich rund 11‘000 Babys geboren werden, zusammen. Mehrmals pro Woche besuchen Mitarbeitende des Centro Cristiano die Klinik und testen das Hörvermögen der Babys. «Wenn Kleinkinder aufgrund einer unversorgten Hörminderung nicht ausreichend oder gar keine Hörreize wahrnehmen, lernen sie nur erschwert oder überhaupt nicht sprechen», erklärt Miguel Evangelista, Leitender Audiologe der Klinik. «Versäumnisse in dieser Entwicklungsphase sind nur schwer wieder aufzuholen». 
 

Der Hörtest ist kostenlos. Eine wichtige Voraussetzung, denn viele der Neugeborenen sind Kinder von Immigranten aus Haiti, die sich weder Diagnose noch Versorgung leisten können. Zeigt der Test ein negatives Resultat auf, wird das Baby für weitere Untersuchungen ins Centro Cristiano überwiesen. Das Programm ist ein Riesenerfolg: Jährlich können rund 400 Babys mit Hörverlust identifiziert und im Centro Cristiano weiter versorgt werden. Die Folge: Immer mehr Familien kommen mit kleinen Patienten ins Centro Cristiano. Damit sie eine Hörversorgung auf höchstem Niveau erhalten, optimal untersucht und versorgt werden, wurde ein weiterer Klinikstandort im Osten der Hauptstadt eröffnet.

Ein Hörgerät für die Zukunft von Venus

Dank einem Programm für Frühchen der Partnerklinik entwickelte sich das kleine Mädchen gut. Wie alle Babys an der Klinik durchlief Venus ein Neugeborenen-Screening – mit negativem Ergebnis. Auch die darauffolgenden Tests waren negativ. Um den Hörverlust zu versorgen, hätte Venus’ Mutter Jeannette nun mit ihr ins Centro Cristiano gehen müssen. Doch die Familie lebte in einer abgelegenen Gegend, die Klinik war weit weg. Die junge Mutter war verzweifelt. Da Venus‘ Vater zu der Zeit arbeitslos war, konnte sie das Geld für die Fahrt zur Klinik nicht aufbringen. So liess sie die Termine verstreichen und meldete sich nicht mehr beim Centro Cristiano. Im Herbst 2019 wollte es der Zufall , dass Venus’ Vater eine neue Arbeit gefunden hatte – in der Nähe des Centro Cristiano. Die junge Familie zog um. Endlich konnte Jeannette etwas für Venus tun! Das Mädchen war mittlerweile zwei Jahre alt, sehr aufgeweckt und trotz starkem Hörverlust der Sonnenschein der Familie. Anfang November war es dann soweit: Venus bekam neue Hörgeräte– und die Auswirkungen waren für Mutter Jeanette sofort sichtbar: Das Mädchen plappert seither unermüdlich vor sich hin, saugte Geräusche und Eindrücke wie ein Schwamm auf und war noch lebendiger als zuvor. Zum grossen Glück des kleinen Mädchens wählte Jeannette leuchtend rosa Ohrpasstücke – die Venus nun so stolz trägt, als wären sie Juwelen. Venus wird nun zweimal pro Woche am Centro Cristiano eine Sprachtherapie besuchen, um die verlorene Zeit in der Sprachentwicklung so gut es geht wieder wettzumachen. 

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Der Namensgeber des Stiftungspreises der Hear the World Foundation, Professor Dr. Richard Seewald, zeichnet sich seit Jahrzehnten durch sein unermüdliches Engagement im Bereich Pädaudiologie aus. Er leistete umfassende Pionierarbeit bei der Entwicklung einer international anerkannten DSL-Methode für die Anpassung von Hörsystemen bei Kindern. Seewald hielt vor seinem Ruhestand einen Forschungs-Lehrstuhl für Childhood Hearing am kanadischen National Centre for Audiology inne, dessen Mitbegründer er war. Er ist emeritierter Professor an der School of Communication Sciences and Disorders der Universität Western Ontario.

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